Ich war im Kino...

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MovieMan
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ICE CREAM MAN

#1176 

Beitrag von MovieMan »

Der freundliche Eisverkäufer verteilt kurz vor Beginn der Sommerferien in einer kleinen Stadt seine süßen Leckereien, welche auf die genusssüchtigen Schüler eine Wirkung entfachen, die sich deutlich gegen die Erwachsenen richtet.

Regisseur und Drehbuchautor Eli Roth hat wieder zugeschlagen. Man darf sich von den nostalgischen und freundlich anmutenden Bildern der ersten Minuten nicht beirren lassen. Was den Zuschauern hier aufgetischt wird, ist Horror-Splatter der übelsten Sorte. Da wird gemeuchelt und gemordet, was Alltagsgegenstände hergeben.
Und schon bald ergießt sich ein Blutschwall über die Leinwand, den man so doch selten sieht.

Die Kamera sieht ganz genau hin, teils in genüsslicher Großaufnahme. Zusammen mit handgemachten Effekten bahnt sich der Gore hinter jeder Ecke unaufhaltsam seinen Weg, sodass es einem teils die Sprache verschlägt. Soll man lachen oder soll man sich angewidert wegdrehen? Darf man überhaupt lachen? Manchmal war ich fast überfordert, wie ich auf das Gezeigte emotional reagieren sollte. Dabei wird das blutige Handwerk tricktechnisch richtig gut ausgeführt.
Doch während Roth seinen Mitstreitern wie TERRIFIER, etc. entgegenschreit: Was ihr könnt, kann ich auch! – vernachlässigt auch er eine Storyline, die für sich selbst einen Spannungsbogen bildet. Sicherlich ist eine Rahmenhandlung deutlich erkennbar, doch die Auflösung ist nur solala. Trotzdem hebt er sich inhaltlich und konzeptionell für mich noch deutlich positiv von der TERRIFIER-Reihe oder den WINNIE-POOH-Horrorstreifen ab.
Toll sind allerdings unzählige Szenen, die eine Hommage an eine ganze Reihe von Filmen bilden, von KEVIN ALLEIN ZU HAUS bis Hitchcocks DIE VÖGEL ist vieles dabei. Die FSK18 sind voll begründet.

Musikalisch untermalt wird das Ganze wiederkehrend mit einem lustigen Song, der einem am Ende des Films selbst schon wie der wahre Horror vorkommt.

Ein eisiges Schlachtfest wie man es so schnell nicht vergisst, gemacht für alle Gore-Hounds da draußen, die einer neuen Befriedigung ihrer Bedürfnisse entgegenfiebern, sehr schräg unterhaltsam.
bild 7.55 Software 5.4.6.0, Vodafone Kabel TV, AVR Yamaha RX-A1080, Panasonic UHD 9004, Elac FS und CC 189 + TS 3030 + WS 1235 + Sub 2030 als 5.1.2 System, PS3, ATV4K

Kino ist das Größte !!! Geht mal wieder hin.

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WAS HABEN WIR GELACHT

#1177 

Beitrag von MovieMan »

M. Kroymann, G. Köster, E. Schweins, B. Böttinger sowie H. von Sinnen werden zu den Eindrücken über ihr Erleben frauenfeindlichen Humors in den TV-Shows der 1970er bis 2000er Jahre befragt.

Die Interviews werden als jeweiliges Einzelinterview gezeigt, wobei zwischen den Interviewten immer hin- und hergewechselt wird. Zum Teil werden den Interviewten auch die Reaktionen der anderen vermittelt, sodass darauf ebenfalls eine Reaktion erfolgt.
Gespickt ist diese Doku mit unzähligen TV-Ausschnitten verschiedener Sendungen. Jeder Ausschnitt ist fokussiert auf das Handeln oder die verbalen Äußerungen männlicher Showmaster.
Die o.g. Frauen erinnern und reflektieren ihre damaligen Gefühle und Emotionen sowie ihre heutige Sicht auf die damalige, aber auch heutige Situation.
Die hohe Konzentration solcher Ausschnitte verdeutlicht den frauenverachtenden Humor, der damals gesellschaftsfähig war und auch heute teilweise noch akzeptiert ist, auch wenn heute zumindest ein klein wenig sensibler und umsichtiger zu Werke gegangen wird.
Selbst als Mann kann man nicht abstreiten, dass die Frau in den Anfängen der TV-Shows regelrecht missbraucht und nicht ernst genommen wurde.

Die Aussagen von Kroymann und Co sind ehrlich, authentisch und auch (nachvollziehbar) emotional. Dass sie dabei auf ein extremes Bashing der männlichen Beteiligten verzichten und ihre Kritik ruhig und recht sachlich vortragen, bewirkt, dass man eher geneigt ist, sich mit der Situation konstruktiv auseinanderzusetzen.

Warum schaut man so etwas im Kino und nicht am TV?
Ich denke, dass man im Kino aufmerksamer zuhört als zu Hause, wo vielleicht nebenbei das Handy/Tablett bedient wird, man zum Kühlschrank rennt oder sich mit anderen Zusehern unterhält. Im Kino besteht weniger Ablenkung. Daher schaue ich Dokus zunehmend lieber im Kino, auch weil man die Reaktionen anderer mitbekommt.

Als Zeitzeuge der angesprochenen TV-Shows kann ich sagen, dass ich mir damals wenig bei der Art von Humor gedacht habe. Allerdings sind mir die damaligen Grabschereien eines gewissen Showmasters selbst unangenehm aufgefallen, heute würde man sagen: richtig cringe.
Da sich die Welt in einigen Ansichten auch wieder rückwärts dreht, halte ich eine solche Doku, die die Missstände in der TV-Industrie aufdeckt, für enorm wichtig, als Mahnung, dass man das mühsam Erlangte nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollte – egal ob im Kino oder vor der Glotze.
bild 7.55 Software 5.4.6.0, Vodafone Kabel TV, AVR Yamaha RX-A1080, Panasonic UHD 9004, Elac FS und CC 189 + TS 3030 + WS 1235 + Sub 2030 als 5.1.2 System, PS3, ATV4K

Kino ist das Größte !!! Geht mal wieder hin.

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