Ich war im Kino...

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MovieMan
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KLEINE SCHMUTZIGE BRIEFE

#801 

Beitrag von MovieMan »

Südengland, die 1920er Jahre: In der spießbürgerlichen Stadt Littlehampton wohnen die Familien von Edith (O. Colman) und Rose (J. Buckley) Tür an Tür und haben sich angefreundet. Doch nach einiger Zeit erhält Edith anonyme Briefe, deren Inhalt vulgär und obszön sowie zutiefst beleidigend sind. Kurze Zeit später scheint der Täter ausgemacht und die Freunschaft zerbricht. Übrig bleiben Beleidigungen und Demütigungen auf beiden Seiten. Nur die Polizistin Gladys (A. Vasan) scheint den Überblick zu behalten.

Very british - was uns hier aufgetischt wird. Und es wird noch schräger wenn man zu Beginn schon darauf eingestimmt wird, dass die Geschichte einen wahren Hintergrund hat. Der Humor ist britisch trocken aber durchfließt fast jede Szene.
Bis in die Nebenrollen hat man richtige Typen charakterisiert und aus dem Mikrokosmos der Kleinstadt lässt sich das soziale und rechtliche Gefüge außerhalb dieser kleinen Gesellschaft nur erahnen: Frauen hatten wenig zu melden, begehrten aber auf und es war besser, schnell einen Täter zu verhaften als dessen Schuld begründet nachzuweisen. Neben der Familiengeschichte und dem Streit erhält man Einblick in das gesamtgesellschaftliche System, einschließlich Klatsch und Tratsch.
Colman und Buckley spielen herausragend und liefern sich ein Duell mit schauspielerischem Seltenheitswert. Leicht erinnert es an das Gespann aus Farrell und Gleeson aus THE BANSHEES OF INISHERIN, aber die Nebenrollen hat man ebenso gut besetzt, insbesondere die der Polizistin Gladys und von Ediths Vater (T. Spall).
Die Dialoge sind scharf geschliffen und der Film enthält eine Wendung, die jedoch die Spannung nicht unterbricht sondern nur in eine andere Richtung bringt. Da erinnert der Film dann teils an SEE HOW THEY RUN.

Insgesamt eine sehr unterhaltsame und wortgewandte durch und durch britische Komödie mit Krimitouch, mit toll herausgearbeiteten Figuren und noch besseren schauspielerischen Leistungen. Ein richtiges Highlight - auch noch 100 Jahre nach den eigentlichen Ereignissen.
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Rudi16
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POOR THINGS

#802 

Beitrag von Rudi16 »

MovieMan hat geschrieben: Sa 20. Jan 2024, 17:57 All das wird zusammen mit vielen weiteren Einfällen, z.B. Format des Films und stellenweise S/W-Darstellung von der Regie (Y. Lanthimos) herausragend in Szene gesetzt und zu einem Film zusammengefügt, der eine seltene Wucht entfaltet. Weder der Geschichte, den Figuren noch der gesamten Aufmachung kann sich ein Zuschauer entziehen, selbst diejenigen nicht, denen der Film nicht zusagt.
Komme gerade aus dem Kino, wo ich mir - auf Deine Beschreibung hin - den Film angesehen habe. Zugegeben, er läßt mich ein wenig ratlos zurück. Aber Deine Ausführungen passen sehr gut. Auf jeden Fall ein Kunstfilm weit jenseits des Mainstreams.

Lief übrigens hier in Kino 5. Das ist mit ca. 80 Plätzen der kleinste Saal. Für mich ein Novum. Nur 11 Leute waren anwesend. Davon 10 Frauen. Woran das wohl liegen mag...
Loewe Connect 40 3D DR+ (8.52.0), UniCAM V2 (Sparta 5.52), Yamaha Aventage RX-A810 / BD-1010, Canton GLE490.2, GLE455.2 und GLE430.2, Nubert AW-441, Fritzbox 4060+4040, iPhone10, Xperia10-II

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MovieMan
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GODZILLA X KONG: A NEW EMPIRE

#803 

Beitrag von MovieMan »

Kong herrscht über Hohlerde und Godzilla konzentriert sich auf die Oberfläche der Erde. So gehen sich die beiden Titanen aus dem Weg. Die menschliche Institution "Monarch" erhält beunruhigende Signale aus Hohlerde. Grund dafür ist ein neuer Gegner Kongs, der sich ohne weitere Hilfe kaum zu erwehren weiß. Da Menschen nur wenig ausrichten können, versucht Kong auf andere Weise Hilfe herbeizuschaffen, um den Störenfried in die Schranken zu weisen.

Die Filme aus dem Monsterverse werden immer abgedrehter und die menschlichen Mitspieler immer überflüssiger. Die Reihe könnte auch als Marvel-Variante eines Monsterverse fungieren - so ähnlich wie die Avengers. Inhaltlich hat diese Filmreihe nichts mit dem starken GODZILLA MINUS ONE zu tun. Sie ist wesentlich actionorientierter und Highlight sind die auswüchsigen Kämpfe der Titanen. Die menschliche Seite ist nur Beiwerk, aber irgendwas müssen die Titanen ja auch zerstören. Und von Menschenhand geschaffene Bauwerke sind für das Publikum eben emotional am besten kaputt zu kloppen.
Mir hat die Apple+ Serie "Monarch" eigentlich ganz gut gefallen. Das Kennen der Serie ist aber keine zwangsläufige Voraussetzung dafür, dass dieser Film inhaltlich verständlich ist. Oberflächlich hilft die Serie, die Institution besser in die Handlung einordnen zu können. Mehr denn je ist der Film auf die Monster ausgelegt, insbesondere diesmal auf Kong.
Ob die x-te Zerstörungsorgie sich nicht irgendwann mal abgenudelt haben dürfte? Doch die Handlungsstränge, in denen menschliche Figuren im Vordergrund stehen, sind auch keine inhaltliche Offenbarung und schon fast störend.

Technisch ist der Film immer dann stark, wenn die Monster durch die Städte laufen und Häuser, etc. in Einzelteile zerlegen. Das sieht optisch gut gemacht aus. Die Szenen aus Hohlerde fallen tricktechnisch dann doch deutlich ab. Der Look ist zuweilen sehr künstlich und erinnert mehr an eine Renderszene eines Videospiels. Die Verantwortlichen von Weta könnten sicherlich mehr, vielleicht eine Frage des Budgets.
Akustisch geht es ordentlich zur Sache, der Ton ist dynamisch und räumlich. Manchmal könnte er noch etwas differenzierter sein. Ab und zu hat man das Gefühl, dass Töne in der Soundkulisse untergehen.

Aufgebrezelte Monsterhauerei aus dem Monsterverse um Godzilla und Kong mit leichten technischen Schwächen und fast überflüssigen menschlichen Figuren, die es versäumen, der Geschichte einen tieferen Inhalt zu geben. Der Film dürfte sich speziell an die Fans richten, die einfach nicht genug davon bekommen - sei es ihnen gegönnt.
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MovieMan
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MORGEN IST AUCH NOCH EIN TAG

#804 

Beitrag von MovieMan »

Kurz nach dem 2. Weltkrieg lebt Hausfrau und Mutter Delia mit Mann und Kindern in einfachen und nicht leichten Verhältnissen. Delia hat Schwierigkeiten, sich den körperlichen Züchtigungen ihres Mannes entziehen zu können und wird dafür von ihrer Tochter Marcella verachtet. Nach Eintreffen eines Briefes scheint Hoffnung gegeben, doch Ivano, ihr jähzorniger Gatte, führt ein gestrenges Familienregiment und ist zudem sehr argwöhnisch.

Das ist eine sehr verkürzte Inhaltsdarstellung, weil ich zukünftigen Zuschauern die Spannung nicht ganz nehmen möchte.
Gleich in den ersten Filmsekunden werden die Weichen gestellt und der Zuschauer weiß, was er erwarten darf. Was dann folgt ist eine Aneinanderreihung von puren Demütigungen in jegliche Richtungen. Und doch hat der Film an einigen Stellen schon fast einen komödiantischen Unterton. Doch das Lachen bleibt den Zusehern im Halse stecken. Denn die oberflächlich komödiantisch gestalteten Szenen sind nur ein Stilmittel, welches die eigentliche Dramatik umso mehr an den Zuschauer transportiert. Für diesen Transport setzt die Regisseurin noch ein weiteres Mittel ein: Misshandlungsszenen werden von einem Chanson begleitet als Tanz choreographiert. Zwar wird die optische Gewalt zunächst abgemildert aber auch in einem so hohem Maße abstrahiert, dass beim Zuschauer das Kopfkino angeht. Und dieses kann um Welten grausamere Vorstellungen auslösen, als man auf der Leinwand vielleicht zeigen dürfte.
An diesen Stellen erinnert der Film dann an ZONE OF INTEREST, wo mit dem gleichen Stilmittel gearbeitet wurde.
Zudem ist der Film in S/W gehalten und anfänglich noch im heute ungewohnten 4:3 Format. Das lässt das Geschehen in zunächst weite Ferne rücken. Doch schnell dürfte klar werden, dass das Thema immer noch aktuell ist und noch viel Arbeit in der Gesellschaft zu verrichten ist.

Die konzeptionelle Gestaltung ist für mich das Highlight gewesen. Regie und Drehbuch gehen Hand in Hand. Kluge Dialoge wechseln sich mit fast wortlosen Szenen ab, deren Gestaltung keine weiteren Worte bedürfen - hohe Filmkunst.
Auch sämtliche Akteure sind mit Herzblut dabei, das gilt für die Hauotdarsteller sowie auch die Nebendarsteller. Jede Figur trägt zum Gelingen des Films bei ebenso wie die Spielweise der Schauspieler. Hilfreich war vielleicht dabei auch, dass die Hauptdarstellerin P. Cortellesi zugleich als Regisseurin wie auch Drehbuchautorin fungierte, auch wenn sie das Drehbuch nicht allein geschreiben hat.

Das inhaltliche Ende kam für mich unerwartet, hatte ich doch etwas ganz Anderes im Kopf. Auch dieser "Twist", das Ende so zu gestalten, wie es wohl die Meisten nicht erwarten, trägt sehr dazu bei, die Wucht der Bedeutung der Auflösung hervorzuheben, sodass man trotz dem Erlebten noch irgendwie zuversichtlich bzw. erleichtert das Kino verlassen kann.
Ob der Filmtitel absichtlich gewählt wurde, weiß ich nicht. Es sind in der deutschen Übersetzung allerdings die Worte, die Scarlett O'Hara am Ende von VOM WINDE VERWEHT spricht. Und so ist dieser Titel inhaltlich auch völlig passend für diesen Film.

Italienische Produktion, die wahrscheinlich komplett zu Unrecht vorwiegend nur in Programmkinos gezeigt wird und auch sonst kaum beworben wird, mit immer noch aktuellem Thema, einem super Cast und einer besonders guten Regie - unbedingt ansehen!
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IMMACULATE

#805 

Beitrag von MovieMan »

Die junge Celia (S. Sweeney) begibt sich aus den USA nach Italien in ein Kloster bzw. Sterbehospiz für Nonnen, um dort das Gelübte abzulegen und ihr Leben künftig Gott zu widmen. Schnell merkt sie, dass im Kloster merkwürdige Dinge vor sich gehen. Und nachdem sie sich in Gefahr begeben hat, stellt sie an sich selbst eine merkwürdige Änderung fest, die ihrer Person unter den im Kloster ansässigen Geistlichen einen ganz neuen Stand verschaffen. Immer mehr hinterfagt sie sich, ob das Leben in diesem Kloster wirklich das Richtige für sie ist. Doch einmal dort eingezogen ist es nicht leicht, diesen Ort überhaupt nochmals zu verlassen.

Spannende erste 5 Minuten leuten den Film ein und hinterließen bei mir ordentlich (positiven) Eindruck. So setzte sich der Film dann auch fort.
Die Spielzeit ist dem Inhalt angepasst, die knapp 1,5 Stunden sind nicht künstlich aufgebläht. Damit fällt die Spannungskurve auch nicht zusammen. Zusätzlich geht es ungewöhnlich hart zu Werke. Trotz FSK18 dürfte die Kommission sicherlich schon an enigen Stellen geschluckt haben. Nicht nur Blut sondern auch lädierte Körperteile sind in Großaufnahme zu sehen. Das Ende ist kompromisslos.
Seitens der Geschichte erinnert der Film entfernt an eine Mischung aus ROSEMARIES BABY und Streifen wie I SPIT ON YOUR GRAVE.
Das Drehen in Italien sorgt für die richtige Atmosphäre, das Innere des Klosters sowieso.

S. Sweeney leistet sehr ordentliche Arbeit und gibt zum Ende wirklich alles. Wie oft wohl die Schlusssequenz gedreht werden musste? Das muss man erstmal so rüberbrinmgen können.

Wirklich einer der besseren Horrorfilme der letzten Zeit mit ordentlich Atmosphäre sowie überzeugender Hauptdarstellerin und etwas kompromissloser als viele Vertreter in dieser Richtung.
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DAS ERSTE OMEN

#806 

Beitrag von MovieMan »

In Rom an einem Kloster wird die junge Mararet (N.T. Free) aus den USA erwartet. Dort soll sie ihren Glauben mit Unterstützung des ihr bereits bekannten Cardinal Lawrence (B. Nighy) und der altehrwürdigen Schwester Silva (S. Braga) festigen. Bevor das Gelübte abgelegt wird, macht sie mit ihrer Zimmergenossin noch mal einen drauf. Und schon bald merkt sie, dass hinter den Mauern des Klosters schreckliche Dinge vorgehen, die ihren Glauben ein ums andere Mal erschüttern. Doch sie steckt schon viel tiefer in Schwierigkeiten, als sie ahnt.

Im Jahr 1976 reihte sich das Original: DAS OMEN (mit G. Peck und L. Remick in den Hauptrollen) in die Reihe der wegweisenden Horrorfilme ein (1968: ROSEMARIES BABY, 1973: DER EXORZIST), die die Gestalt und das Wirken des Teufels inhaltlich abhandelten.
Mit diesem Film wird die Vorgeschichte von DAS OMEN erzählt. Um es vorwegzunehmen: Der Film funktioniert, ohne die anderen DAS OMEN - Filme gesehen zu haben und ist ggf. für Nicht-Kenner des Originals sogar noch spannender.

Konzeptionell ist dieses Pequel am ehesten mit ROQUE ONE: A STAR WARS STORY zu vergleichen. Das Ende des Films schlägt einen ähnlichen Bogen zum 1976er Werk. Insofern ist es für Kenner des Originals weniger überraschend, was da am Ende bei rum kommt. Doch der Weg dahin ist für mich ganz gelungen.
Zunächst spielt der Film in den frühen 70ern, der Look, die Kostüme und die Ausstattung wurden entsprechend angepasst, ebenso die Farbgebung, die wie eine leicht ausgeblichene VHS-Kassette daherkommt, ist gut und schlüssig gemacht.
Aber auch inhaltlich werden Reminiszenzen an das Original vergeben. Es gibt Szenen, die im Original in ähnlicher Weise enthalten sind, doch selbst für Wissende halten diese im direkten Vergleich noch Überraschungen parat.
Die Inszenierung ist spannend gelungen. Zwar ist der Film auch zeigefreudig, doch anstatt auf Jumpscares setzt er auf längere (inzwischen ungewohnte) Szeneneinstellungen, die dem Zusehenden langsam den Grusel in die Blutbahnen fahren lässt. Der Wechsel zwischen Fantasie/Einbildung und realer Handlung ist fließend und trägt nicht nur bei der Hauptfigur zur Verunsicherung bei. Auch das Publikum darf sich über eine latent den Film überdauernden unwohligen Grundstimmung freuen.
Diese Stimmung wird im Zusammenwirken von Kameraeinstellung, Ausleuchtung und Schnitt sowie dem Einsatz eines passenden Scores erzeugt und verfehlt seine Wirkung nicht.

Schauspielerisch hebt sich N.T. Free positiv aufgrund einer recht glaubwürdigen Darstellung von den übrigen Akteuren ab, ohne dass diese nun schlecht wären (alte Nonnen sind für mich immer gruselig, egal wer die spielt). B. Nighy hätte sicherlich noch mehr gekonnt, war wohl aber durch das Drehbuch limitiert. Die Klasse eines G. Peck und einer L. Remick werden jedoch von niemanden erreicht.

Insgesamt ein würdiges Prequel, umgesetzt mit Spannung und einer Machart, die das Original sinnvoll anschließen lässt.
Für mich einer der besseren Horrorfilme der letzten Zeit, auch noch merklich besser als THE NUN 2 und kürzlich IMMACULATE.
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BACK TO BLACK

#807 

Beitrag von MovieMan »

Die junge Amy Winehouse (M. Abela) ist dem Jazz sehr zugetan und singt in englischen Pubs vor kleinen Gruppen. Von einem Plattenlabel entdeckt wird sie in kürzester Zeit zum Shootingstar der Musik. Doch privat und insbesondere in der Beziehung unglücklich, zeigen sich die Schattenseiten des Ruhms und Amy muss einen einsamen Kampf gegen ihre Dämonen führen, der bekanntermaßen nicht gut ausgeht.

Nach einer Doku wurde sich hier an einem Spielfilm probiert.
Inhaltlich werden die Anfänge, der Durchbruch wie auch die Beziehung zu Blake sowie die Alkohol- und Drogensucht thematisiert. Sicherlich kratzt der Film nur an der Oberfläche und die Darstellung des sich anbahnenden Unglücks ist vielleicht dadurch beeinflusst, dass der Film finanziell durch die A. Winehouse Stiftung mitgetragen wurde. Das und mehr werfen zahlreiche Rezensionen dem Film vor.

Für mich ist das ein Unding. Es geht um einen Unterhaltungsfilm/Spielfilm und nicht um eine Doku. Alle anderen Biopics (BOHEMIAM RHAPSODY, ROCKET MAN, ELVIS ...) leiden dann auch an dieser "Schwäche". Man kann einem Spielfilm nicht vorwerfen, dass er unterhalten will.
Zumindest erhält man unweigerlich einen groben Überblick über das Wirken der Künstlerin und ihren Werdegang sowie über das Privatleben. Wie es in diesen Menschen aussieht und welche Beweggründe sie haben, dieses Geheimnis nehmen sie mit in ihr Grab. Und es ist gerade diese zurückbleibende Ungewissheit, die solche Personen zur Legende werden lässt.

Mein Respekt gilt der Hauptdarstellerin M. Abela. Diese hat selbst gesungen. Zumindest am Anfang hat sich das noch nicht so nach A. Winehouse angehört, doch am Ende wurde es immer besser. Anders als in anderen Biopics wurde wohl (nach meiner Recherche) auf Originaloverlays verzichtet. Da Winehouse eben ein Ausnahmetalent war, kann die Stimme auch nicht ganz getroffen werden, die war einzigartig. Darüber muss man sich aber vorher als Zuschauer schon im Klaren sein. Doch auch in den Nicht-Gesangsszenen überzeugte mich Abela mit ihrem Spiel, das passend zur Grundstimmung der Geschichte ausfiel.

Als heftige Erfahrung habe ich ausgemacht, dass dieser Film mächtig auf die Stimmung drückt. Es verbleibt kaum etwas Positives. Denn die deutschen Untertitelungen der Songtexte lassen einen wissen, dass Winehouse ihren gesamten Kummer und Schmerz dort abgearbeitet hat.
Nix für Depressive.
Glücklicherweise nimmt sich der Film die Zeit, die Lieder in fast voller Länge darzubieten, das war bei ELVIS schon ein Manko, dass dort die Lieder nicht in Gänze gesungen wurden. So kann man sich an der hervorragenden Musik erfreuen, selbst als Nicht-Jazz-Fan.
Akustisch ist das auch würdig umgesetzt. Die Akzente des Gesangs sind gut vor die Musik gemischt und die Musik kommt räumlich und klar sowie mit der notwendigen Dynamik aus den Lautsprechern.

Es verbelibt ein dramatisches, hoch emotionales und letztlich tieftrauriges Biopic über eine Ausnahmekünstlerin, die viel zu früh aus dem Dasein schied.
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