Ich war im Kino...

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DER GESTIEFELTE KATER 2: DER LETZTE WUNSCH

#626 

Beitrag von MovieMan »

Der Kater hat zwischenzeitlich acht seiner neun Leben verloren. Sich dieses Umstandes bewusst, muss er auf der Suche nach einem Wunschartefakt, welches ihm seine verlorenen Leben zurückbringen soll, einige Abenteuer bestehen, bis er sich dem schwarzen Wald und dem Artefakt nähert. Seine Begleitung besteht aus Kitty Samtpfote sowie Perrito, dem Pinscher(?). Je mehr sich die Truppe dem Artefakt nähert, desto gefährlicher wird die Reise.
Einerseits möchte Goldlocke mit den fiesen Bären ebenfalls an diesen Schatz, andererseits ist da noch dieser Wolf mit den glühenden Augen, der mit dem Kater etwas ganz Besonderes vorhat.

Zweiter Teil der Shrek-Auskopplung mit dem vorwitzigen Kater. Kindgerecht, wenn auch zum Teil düster, werden hier wieder alle Register gezogen, inklusive eines Niedlichkeitscontestes. Die Mischung des Charakters zwischen Schurke und Abenteurer stimmt und erinnert fast an die Helden von Mantel- und Degenfilmen. Aufgrund der (für kindliche Verhältnisse) spannenden Story sowie regelmäßig eingestreuten Gags ist die Geschichte kurzweilig und die Laufzeit des Films auch nicht übertrieben lang.

Auffällig ist der optische Stil, der hier verfolgt wird. Sind der Kater, sowie die anderen Charaktere fast komplett durchanimiert, finden sich immer Szenen oder Hintergründe, die einem zweidimensionalen Comic entsprungen sein könnten. Dieser optische Bruch stört aber gar nicht. Tarantino hat Comic-Szenen in seinem Werk KILL BILL auch erfolgreich eingebaut. Eine solche Szene entfaltet ihre erzählerische Wirkung in besonderer Art und Weise und ist eine willkommene Abwechselung zu den durchgestylten Animationsfilmen von heute.

Kurzweilige und teils auch lustiger Zweitfilm über den Kater, wenn auch teils etwas düster (daher auch nicht FSK0 sondern FSK6), der für ein Familienkinobesuch in dieser Jahreszeit sehr passend ist.
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OSKARS KLEID

#627 

Beitrag von MovieMan »

Polizist Ben (F.D. Fitz) ist geschieden und seine Ex-Frau ist von ihrem neuen Partner schwanger. Trotzdem Ben mit seinem Schicksal hadert, holt er seine beiden Kinder Oskar und Erna zu sich, da er diese nicht bei dem Lebensgefährten seiner Ex lassen will, denn er ist fest davon überzeugt, dass er sich besser um seinen Nachwuchs kümmern kann, auch wenn er eigentlich gar keine Zeit hat. Und so stellt er sich gleich unbewusst mehreren Herausforderungen: Zeigen, dass er ein "guter" Vater ist, seinen Lebensstil ändern kann und organisatorisch fähig ist, den Alltag mit Kindern zu managen. Als würde das allein nicht schon von der Herausforderung in die Überforderung führen steht sein Sohn Oskar plötzlich in einem Kleid vor ihm. Und so nach und nach offenbart sich, dass das nichts mit Verkleiden zu tun hat sondern sein Sohn anders fühlt, als es die Welt von ihm erwartet. Und schon hat Ben ein Akzeptanzproblem.

Als zuständiger Drehbuchautor hat sich F.D. Fitz mal gleich selbt in der Hauptrolle des Ben besetzt. Und das geht er ganz mutig an. Abseits von heroischem Machogehabe erleben wir einen Vater, der fast jeden Tag scheitert, obwohl er eigentlich nur das Beste für seine Kinder will. Recht einfühlsam geht Fitz mit der Transgendertheamtik um. Er traut sich das auch gleich in Verbindung mit Kindern zu "erörtern", als sei die Thematik nicht schon ungewöhnlich genug.
Der Erfolg stellt sich aber erst durch das ruhige und ehrliche Spiel des Oskar-Darstellers Laurì ein, der/die ganz unspektatulär aber direkt die Gemütsverfassung und innere Zerrissenheit eines betroffnenen Kindes Richtung Zuschauer transportieren kann.
Meine Recherche, ob Laurì selbst ein Transgenderkind ist, war leider erfolglos. Selten habe ich aber ein Kind gesehen, welches (für das dargestellte Alter) sowohl locker als Mädchen wie auch als Junge durchgehen könnte. Ist letztlich aber auch egal, da die Performance glaubwürdig ist und mit der Darstellung dem Rest des Castes (u.a. M. Burchard, S. Berger, B. Klaußner) der Rang abgelaufen wird.
Der Film ist als Komödie gedacht und enthält auch durchaus seine amüsierenden Momente. Dennoch sehe ich die Handlung mehr in Richtung Drama, eher als Dramödie.

Sensible Verfimung eines (leider immer noch) Reizthemas mit einer wunderbar unheroischen Hauptfigur sowie tollem/r Kinderdarsteller/in und einem (immer noch nötigem) Aufruf zu mehr Toleranz. Kann man sich gut ansehen.

So liebe Filmfreude, das war's für dieses Jahr. Vielen Dank an meine treue Leserschaft.
Doch nicht traurig sein, denn schon Scarlett O'Hara wusste im Film VOM WINDE VERWEHT: "...morgen ist auch noch ein Tag",
sodass mein nächster Post wohl nicht lange auf sich warten lässt. Guten Rutsch euch allen!
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WAS MAN VON HIER AUS SEHEN KANN

#628 

Beitrag von MovieMan »

Selma (C. Harfouch) wohnt schon immer in einem kleinen Dorf irgendwo im Westerwald. Immer wenn sie von einem Okapi träumt, stirbt ein Mensch in dem Dorf. In diese Wirren gerät auch ihre Enkelin Luise, die ihrerseits eine Gabe innehat, denn beim Denken/Äußern einer Unwahrheit fällt irgendwo ein Gegenstand hinunter. Und auch sonst sind lauter merkwürdige Leute in dem Ort beheimatet.

Der Anfang sowie Teile des Films erinnern sehr an DIE FABELHAFTE WELT DER AMELIE. Alles scheint skurril, merkwürdig und auf eine sonderbare Art doch liebenswürdig. Einen erzählerischen Rahmen erhält der Film durch den begleitenden Kommentar der Enkelin.
Teilweise fällt es schwer, dem Inhalt zu folgen, da zwischen Vergangenheit und Gegenwart permanent und vor allem sprunghaft hin und her gewechselt wird. Erst am Ende bleibt der Film auf einer klareren Linie/Zeitebene.
Die Figuren und insbesondere deren Ticks sind sehr übertrieben dargestellt und fallen fast nie aus ihrer Rolle. Das ist jedoch wohl die Wirkung, welche erzielt werden soll. Die Darstellung eines Mikrokosmos einer Gesellschaft, in der alles wie immer läuft und das Leben so dahinplätschert. Bis eben einige Personen doch die zaghaften Versuche unternehmen, aus diesem Verhalten auszubrechen.

So besticht der Film mit den darstellerischen Leistungen der Protagonisten, die dem Zuschauer nach und nach, mehr oder weniger doch über die Laufzeit der Geschichte ans Herz wachsen.
Das wird dann am Ende mit einer der herzzerreißendsten Liebeserklärungen seit OBEN belohnt.

Sehenswert auch der Abspann, in dem immer wieder Elemente aus dem Film auftauchen, sodass man sich an einzelne Szenen/Handlungsstränge sofort erinnern kann.

Inwieweit der Film die Romanvorlage trifft, kann ich nicht beurteilen. Ich lese ja nicht.

Für mich ungewöhnlicher Auftakt in ein neues Kinojahr mit einem magisch angehauchten, amüsierenden Drama mit witzigen Figuren in einer teils unwirklich wirkenden Umgebung.
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OPERATION FORTUNE

#629 

Beitrag von MovieMan »

MI6-Agent O. Fortune (J. Statham) soll einen gestohlenen Gegenstand, von dem man nicht genau weiß, was es eigentlich ist, wiederbeschaffen. Man meint, dass das Stehlen des Gegenstandes Beweis dafür ist, dass von diesem Etwas eine Gefahr ausgeht oder dessen Besitzer Vorteile, welcher Art auch immer, haben könnte. Zusammen macht sich Fortune mit einer kleinen Gruppe Experten auf, den Gegenstand wiederzubeschaffen. Und so beginnt eine Hatz um den halben Erdball bis man auf den Händler Simmonds (H. Grant) trifft, der so nebenbei ein Fan des Schauspielers D. Francesco (J. Hartnett) ist. Also bindet man Francesco in den Auftrag mit ein, um Simmonds zu ködern.

Gradlinige Actionkomödie aus dem Hause von Guy Ritchie. Die Story gibt eigentlich gar nicht viel her. Gut gegen Böse jagt sich um den halben Erdball. Kaum ist ein Missionsziel abgeschlossen, steht das nächste an.
Diese Einfachheit wird aber durch den super spielfreudig aufgelegten Cast wieder wettgemacht. Ausnahmslos alle Darsteller haben mehr als sichtlich Spaß an ihrer Rolle. H. Grant setzt dem ganzen die Krone auf. Hat er in den letzten Liebeskomödien schon fast lustlos agiert, sprudelt er vor Spielfreude hier fast über. Man bekommt den Eindruck, er hätte am liebsten noch weitergedreht. Und der zuletzt leinwandrare J. Hartnett besticht durch eine fast Liebesromanze zur Figur des Simmonds, dass zwischen den beiden fast die Funken fliegen.
Verfeinert wird das durch ein gelungenes Drehbuch, welches mit Wortwitz und hohem Vergnügungsfaktor durch die Geschichte leitet.
Die Action kommt nicht zu kurz, überbordet den Film aber auch nicht, recht ausgewogen.
All das überträgt sich auf den Zuschauer und bereitet zwei knappe äußerst vergnügliche Kinostunden.

Bestlaunige Actionkomödie, wunderbar gradlinig produziert, sodass man sich voll auf das Vergnügen konzentrieren kann, einfach oder vielleicht auch ein wenig oldschool aber auch einfach gut.
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THE BANSHEES OF INISHERIN

#630 

Beitrag von MovieMan »

Im Jahr 1923 auf der kleinen irischen Insel Inisherin. Auf dem Festland tobt der irische Bürgerkrieg und auf der Insel bekommt man nicht allzu viel davon mit. Das Leben auf der Insel ist eintönig und so sucht Padraic (C. Farrell) seinen Freund Colm (B. Gleeson) wie jeden Tag auf, um mit ihm zu klönen und ein Bier zu trinken bzw. ihn für den täglichen Besuch im Pub abzuholen. Doch diesmal öffnet Colm weder die Tür noch reagiert er auf Padraic. Auf spätere Nachfrage von Padraic offenbart Colm, dass er keinen Kontakt mehr wünsche, es aber eigentlich keinen triftigen Grund gäbe, außer dass er sich auf sein Geigenspiel konzentrieren möchte. Padraic hat mit der Akzeptanz dieser Abweisung so seine Schwierigkeiten und stellt Colm fortlaufend nach, bis dieser erklärt, er würde sich jetzt immer einen Finger abschneiden, wenn er von Padraic angesprochen werden würde.
Und wenn ein Ire so etwas sagt, setzt er es auch in die Tat um. Das Drama nimmt seinen Lauf.

Inhaltlich der pure Wahnsinn. Ich kann den Film gar nicht in eine Kategorie einordnen.
Ist es eine Komödie, ein Drama, eine Allegorie oder alles davon? Die Dialoge sind teilweise völlig absurd sowie auch das Ansinnen der Protagonisten.

Im Vordergrund steht zunächst mal das Schauspiel von Farrell und Gleeson, welches in der Wirkung nicht unterschiedlicher sein könnte. Farrell als völlig verpeilter und einfältiger Eselliebhaber, der in einem kleinen Häuschen mit seiner resoluten Schwester zusammenwohnt und Gleeson als stoisch/sturer Bock, der einfach das umsetzt, was ihm so gerade in den Sinn kommt – ohne Rücksicht auf Verluste (wortwörtlich!) und pfeifend darauf, wie sein Handeln von anderen wahrgenommen wird. Wobei mir Farrell noch besser gefällt, der mit seinen Augenbrauen Dinge machen kann, wie sonst nur Bert aus der SESAMSTRASSE und seinem Spiel dadurch einen ganz eigenen Charakter aufsetzt, jedenfalls sehr passend zu seiner Filmfigur – oscarverdächtige Performance.
Wahrscheinlich kann man eine so absurde Geschichte auch nur von Iren spielen lassen.

Konzeptionell schaukelt sich das Drama (oder was auch immer) immer weiter hoch, bis keiner mehr weiß, warum und wieso. Aus diesem Handeln entstehen Gefühlslagen, die Ursache für Verbitterung, Hass und Rache sind. Damit wird in einem Mikrokosmos auf einer kleinen Insel nur der Bürgerkrieg auf dem Festland beschrieben. Jedenfalls denke ich, dass man den Inhalt so verstehen kann/darf.
Letztlich gilt das vielleicht für auch andere Arten von Beziehungen, die urplötzlich aus nichtigem Grund aus dem Ruder laufen – Ehe eingeschlossen.

Aber der Film thematisiert eben nicht das Warum sondern nur, die Unfähigkeit von Menschen mit einer unangenehmen Situation umzugehen und andere Sichtweisen zu tolerieren.
Vielleicht liegt das Warum in der Eintönigkeit und dem Versuch, aus dieser auszubrechen.
Auf jeden Fall bietet der Film Anlass, sich mal die Hirnwindungen zu verbiegen.

Der Kontrast zwischen malerischer Insellandschaft und dem harten Vorgehen der Protagonisten steigert die Wirkung des Ungewöhnlichen und Absurden bis ins Übermaß.
Insoweit eine super Inszenierung.
Die scharfen bis aufs Wort ausgefeilten Dialoge können nur einem hervorragenden Drehbuch entstammen. Die Gesamtinszenierung ist somit mehr als stimmig.

Ein sehr feines Filmwerk, welches sich zu Recht den einen oder anderen Preis einheimsen dürfte. Daher eine dringende Empfehlung an alle Cineasten, allein schon wegen Farrell und Gleeson lohnt sich der Weg in das nächste Kino.
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EIN TRIUMPH

#631 

Beitrag von MovieMan »

Der alternde Theaterschauspieler Etienne (K. Merad) landet auf der Suche nach Arrangements im Gefängnis, um Häftlinge im Theaterspiel/Workshop zu schulen. Doch statt Fabeln und von den Häftlingen gewünschter Stand-Up-Comedy überredet er gegen anfängliche Widersstände einen Teil der Insassen, das Stück WARTEN AUF GODOT aufzuführen. Richterin und Gefängnisleiterin machen sein Vorhaben nicht leichter und die beteiligten Häftlinge sind eigenwillig. Dennoch kann Etienne zu ihnen durchdringen, sodass einer Aufführung nichts mehr im Wege steht. Aus dem Versuch wird ein soziales Experiment auch weit über die Gefängnismauern hinaus, von Etienne nicht ganz uneigennützig befeuert.

Komödie nach einer wahren Begebenheit bei einem skandinavischen Vorbild. Wer durch das Mitwirken von K. Merad (WILLKOMMEN BEI DEN SCH'TIS) eine überaus heitere Komödie zum Schenkelklopfen erwartet, der irrt. Merad spielt den engagierten aber auch zweifelnden und verzeifelten Altdarsteller. Trotzdem ergibt sich im Zusammenwirken mit der ungewöhnlichen Darstellertruppe immer eine gewisse Situationskomik, die gepaart ist mit Einfühlsamkeit und Verständnis gegenüber dem Menschen im Häftling sowie seiner Situation. Dabei steht das Thema "Warten" auch in engem Zusammenhang mit den Schicksalen der Insassen, da diese einen Großteil ihrer Haft mit Warten verbringen müssen.

Die Dreharbeiten fanden in einem realen Gefängnis statt und das Setting wirkt zuweilen sehr beengt, was dem Film Authenzität verleiht.
Die Dialoge wirken nicht gestelzt oder auswendig gelernt, sondern in manchen Szenen wie impulsiv und improvisiert und doch auf den Punkt bzw. den Inhalt gerichtet.

Schön gespieltes und gegen Ende sogar spannendes Kammerspiel nach wahrer Begebenheit, ganz einfühlsam und situationskomisch dargebracht.
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M3GAN

#632 

Beitrag von MovieMan »

Die kleine Cady wird nach einer schicksalhaften Wendung von ihrer Tante Gemma in Obhut genommen. Diese tüftelt für einen Spielzeugkonzern an der Verbesserung der auf dem Markt befindlichen KI-Spieltiere. Nebenbei erforscht sie eine viel ausgeprägtere Version einer künstlichen Intelligenz (KI) zum Einbau in einen menschenähnlichen Roboter, dem Modell „M3GAN“ (Model 3 Generative Android). Ausgestattet mit übermäßigen Sensoren sowie einer selbst lernenden KI basierend auf einem programmierten Algorithmus wird M3GAN zum Leben erweckt. Cady ist von ihrer „Freundin/Schwester“ schwer begeistert und der Android übernimmt nach und nach mehr Aufgaben, wodurch sich auch die Machtverhältnisse in der kleinen Familie verschieben. Ganz des Menschen Ebenbild reagiert auch der Android mal „emotional“ und nicht immer angemessen.

Erstaunlich blutleerer Horrorfilm, der nur wenig gruselt. Nachdem zunächst sehr amüsant die „Furbies“ der 90er-Jahre sowie dessen Entwickler Hasbro durch den Kakao gezogen werden, entwickelt sich der Film in eine CHUCKY-light Version. Eine Puppe/ein Android mit Eigenleben ist nicht neu. Wesentlich spannender wurde das bei EX MACHINA umgesetzt. Der Lauf der Geschichte ist vorhersehbar, sodass richtig spannende Momente eher selten sind. Und am Ende wird auch noch TERMINATOR ganz ungeniert kopiert.
Die FSK16 hätten meines Erachtens gar nicht sein müssen. Zwar wird die übermäßige Dehnung eines Organs gezeigt, aber wenn es richtig zur Sache geht wird weggeblendet.
Leider werden dabei dann auch noch handwerkliche Fehler gemacht. Wenn Personen blutig gemeuchelt werden und der Täter dann unbefleckt vom Tatort wackelt, ist das ein ganz peinlicher Regiefehler – sowas muss auffallen! Sieht man leider öfter.

Positiv möchte ich aber die Darstellerin der Puppe/des Androids hervorheben. Das ist sehr gut gelungen, wobei tatkräftige Unterstützung von Kollege Computer notwendig war. Ich konnte in der Recherche nicht ganz herausfinden, welche Szenenanteile nun CGI und welche nicht waren. Wenn aber der stopmotionähnliche Gang des Androiden tatsächlich gespielt war, dann alle Achtung.
Die relative Lebensechtheit von M3GAN war das eigentlich Gruselige.
Selbstverständlich kann man über das Schaffen von KI und seinen damit verbundenen Gefahren auch sehr lange diskutieren. Doch auch diese Diskussion wäre nicht neu.

Mäßig spannender und für FSK16 überraschend blutleerer Horrorfilm, der eher wie ein Thriller ohne Thrill wirkt und nur eine durchschnittliche Geschichte, dafür aber ganz passable Androideffekte bzw. -darstellung aufweist. Aber EX MACHINA war um Welten besser/spannender.
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HOLY SPIDER

#633 

Beitrag von MovieMan »

In der heiligen iranischen Stadt Mashhad treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Er tötet Frauen, die sich prostituieren. Die Journalistin Rahimi reist an, um über die Morde zu recherchieren. Eine Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei gestaltet sich schwierig, zumal sie selbst die religiösen "Vorgaben" nicht ganz so eng nimmt und sehr selbstbewusst auftritt. Es scheint, als wolle man den Täter gar nicht ausfindig machen. So greift Rahimi zu unkonventionellen Mitteln und bringt sich selbst in Gefahr.

Es handelt sich um eine europäische Co-Produktion unter deutscher Beteiligung und der Film ist seitens Dänemarks als Beitrag für den Oscar eingereicht worden. Regie hat ein geborener Iraner geführt, der in Schweden lebt.
Die Geschichte setzt sich u.a. mit der Bedeutung der Religion im iranischen Strafsystem auseinander und bietet teils kontroverse Szenen/Aussagen. Wenn der Mörder seine Taten begründet, erkennt man ein hoch patriarchatisches System, welches sich nach außen hin als Rechtsstaat gibt, innerhalb der Gesellschaft und in vielen Führungspositionen aber doch an alten traditionellen Werten und Handlungsweisen festhält. Eine Spaltung zwischen moderner und konservativer Bevölkerung wird deutlich.
Während der Film anfangs als Krimi konzipert ist, endet er als Gesellschafts.- bzw. Justizdrama.
Inwieweit das Gezeigte der Realität im Iran entspricht, vermag ich nicht zu sagen. Inspiriert ist der Film von einer wahren Geschichte.

Spektakuläre Actionszenen fehlen, die Kameraführung ist ruhig, dokumentarisch. Der Fokus liegt auf Handlung und Dialog.
Schauspielerisch stechen S.A. Ebrahimi (Journalistin) und M. Bajestani (Täter) deutlich hervor, ohne herausragend zu sein.
Die optische Umsetzung der Tötungsszenen haben mich in ihrer Intensität doch sehr an DER GOLDENE HANDSCHUH erinnert. Die Grenze des Erträglichen wird dabei stark strapaziert.

Ein auf jeden Fall interessantes Drama, mal mit einer ganz anderen Machart, ab vom europäischen oder amerikanischen Mainstream.
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SHOTGUN WEDDING - EIN KNALLHARTES TEAM

#634 

Beitrag von MovieMan »

Die Hochzeit von den gut betuchten Darcy (J. Lopez) und Tom (J. Duhamel) auf einer philippinischen Insel mit geladenen Gästen wird von Piraten überfallen, die die Hochzeitsgesellschaft um Geld erpressen will. Obwohl schon vor der Hochzeit beim Paar der Haussegen ein wenig in Schiefalge geraten ist, raufen sich beide zusammen, um der Killertruppe den Garaus zu machen.

Trottelig, doofe Liebesklamotte, in der sich J. Lopez erneut als Antischauspielrin outet. Das Drehbuch trägt außerdem noch dazu bei, dass Lopez auf ihre weiblichen Reize reduziert wird. Die Rolle als Actionstar kann man zu keiner Sekunde ernst nehmen. Das Agieren wirkt - wie sagt man heute?: cringe!
Die Dialoge sind dämlich, die Gags zünden kaum. Der übrige Cast mit u.a. S. Braga, J. Coolidge, C. Marin und L. Kravitz kann das auch nicht mehr herausreißen. Wenn man sich auf das niedrige Niveau eingestellt und hinabbegeben hat, kann man zumindest an der einen oder anderen Stelle noch schmunzeln, mehr aber auch nicht.
Dennoch entbehrt der Film nicht einer gewissen Spannung, will man doch wissen, wie sich das Paar aus der Lage befreit und ob die Hoichzeit noch stattfindet.

Geld sparen und an einem regenreichen Sonntagnachmittag mal im Streaming ansehen oder eben auch gar nicht.
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BABYLON - IM RAUSCH DER EKSTASE

#635 

Beitrag von MovieMan »

Wenn der Regisseur von LA LA LAND ein neues Projekt auf den Markt bringt (Regie und Drehbuch), welches sich mit dem Hollywood der späten 20er Jahre des vorherigen Jahrhunderts auseinandersetzt, ist der Kinogang für mich schon mal eine Pflichtveranstaltung. Und wenn dann auch noch M. Robbie und B. Pitt die Hauptrollen einnehmen, verspricht das ein ganz großes Sehvermögen zu werden.
Da kann man doch gar nichts falsch machen, oder?

Hollywood befindet sich kurz vor Einführung des Tonfilms. Die etablierten Stummfilmstars Mitte der 1920er Jahre schmeißen Orgien als Partys. Auf einer solchen Party treffen sich der mexikanische Schauspieler Manny (D. Calva) und die angehende Schauspielerin Nellie (M. Robbie). Während die beiden sich noch einer aufstrebenden Karriere entgegensehen, befindet sich Jack (B. Pitt) schon auf dem Höhepunkt seines Schaffens und gilt als unumstrittener Filmsuperstar. Doch die Technik entwickelt sich auch in Hollywood und der Tonfilm erhält Einzug. Plötzlich sehen sich die eiinen auf der Überholspur und die anderen am Abgrund. Durch Streben nach Ruhm und Anerkennung und aus Lebenserhaltungstrieb wird sämtlicher Anstand über Bord geworfen, während sich die Fimmaschinerie unerbittlich weiterdreht.

Schon in den ersten 45 Minuten wird der Zuschauer Zeuge von einer unglaublichen Orgie, die nichts mit einem schönen oder geschöntem Hollywood zu tun hat, sondern dreckiger kaum darstellbar ist. Genau so habe ich mir Sodom und Gomorra vorgestellt, ein Treiben, bei dem es keine Grenzen gibt bzw. Grenzen sekündlich überschritten werden. Eingebettet wird darin die jeweilige Geschichte der o.g. Protagonisten. Ähnlich wie bei LA LA LAND (was ein Wunder) gehen die Figuren über die Jahre andere Wege bevor sie sich immer wieder über den Weg laufen.
Anhand einzlener noch weiterer Figuren wird das immerwährende Streben nach Ruhm und Reichtum sowie menschlicher Anerkennung in den Fokus gestellt. Doch zu keiner Zeit lässt der Film einen Zweifel daran, dass ein daran Mitwirkender eigentlich seinen Weg planen kann, sobald er in den "Fängen" der Traumfabrik zerrieben wird. Die zerstörerische und teils menschenverachtende Maschine Hollywood lässt niemanden aus seinen Fängen frei und jeder hat am Ende seinen Preis zu zahlen. Und wenn man denkt, es könne nicht schlimmer kommen, begibt sich der Film mit dem Zuschauer zusammen in "das Arschloch von Los Angeles", eine Unterwelt, die der Entmenschlichung eine neue Größe und Bedeutung verleiht.

B. Pitt spielt wie zuletzt mit Herzblut, wird von der Darstllung einer M. Robbie aber locker übertrumpft. In einer schauspielerischen und energetischen Meisterleistung liefert sie eine noch bessere Performance ab, besser noch als ihre Rolle der Harley Quinn in den DC-Filmen. M.E. ganz klare Ocarfavoritin als weibliche Hauptrolle. Überrascht hat mit auch der (kurze) Auftritt von T. Maguire, der ist ähnlich gut wie in SIN CITY und voll gruselig. Auch die sonstigen Nebenrollen sind gut besetzt und der Cast macht eine ganz fantaschtische Arbeit.

Ein weiterer Star ist für mich der Filmschnitt. Es gibt Szenen, die so auf das Bild geschnitten sind, dass der Drive der Handlung 1:1 durch den Schnitt transportiert wird. Das verleiht der Handlung eine weitere, unglaubliche Dynamik.
Ebenso gut ist die Kamera, die das Geschehen aus nahezu perfekt ausgeloteter Entfernung einfängt und milimetergenau mittig auf die Leinwand bringt, als hätte das jemand vorher mit einem Zollstock ausgemessen.

Begleitet wird das Geschehen durch einen jazzigen Score, der die Handlung akustisch förmlich nach vorn peitscht, egal in welcher Szene. Die Musik scheint zu schreien: "nach vorn, nach vorn, nach vorn"; eine andere Richtung gibt es nicht.
Das wiederum befeuert die Inszenierung, wo sich schnelle Schnitte mit dynamischen Kamerafahrten abwechseln um dann kurz zu verweilen bevor es Sekunden später schon wieder weiter geht. Als Zuschauer muss man aufpassen, nicht mitzuhecheln. Pausen für den Kinogast sind in den ersten zwei Filmstunden eher selten und nehmen durch die Konzeption der Geschichte erst im Schlussdrittel zu.

Nach ca. 3 Stunden fühlt man sich getrieben und durch den Fleischwolf gedreht bevor ganz am Ende des Films dem Zuschauer noch mal vor Augen geführt wird, warum er da eigentlich sitzt:
Sich eine Geschichte anzusehen und sie emotional mitzuerleben.

Und für dieses Erlebnis haben andere hart gearbeitet - früher und auch heute.
Das sollte uns den Respekt abringen, den dieser Aufwand verdient, sodass man gern beim Abspann aus Gründen der Wertschätzung sitzen bleiben darf/sollte und bei diesem Film noch ganz zufällig dem tollen Score weiterlauschen kann.

Einige werden den Film hassen, einige werden ihn feiern (so wie ich). Dazwischen wird es kaum etwas geben.
Hollywood feiert sich selbst, diesmal aber auf eine dreckige, vulgäre, obszöne und hässliche Art - und bleibt dabei im Ergebnis trotzdem einfach traumhaft und magisch.
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CAVEMAN

#636 

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Bobby (M. Bleibtreu) hat die Chance seines Lebens erhalten, in einer Show als Stand-Up-Comedian aufzutreten. Doch unmittelbar vor der Show gerät sein Leben aus den Fugen. Trotzdem traut er sich vor das Publikum und versucht die Frage zu klären, ob er ein Idiot ist.

CAVEMAN ist die Filmadaption eines erfolgreichen Bühnenstückes, welches ich trotz mannigfaltiger Gelegenheit in Hamburg doch noch nicht gesehen habe. Nach dem Film muss ich mir das auch nochmals überlegen.

Der Film ist nicht als Einpersonenstück konzipert sondern bindet weitere Charaktere wie Bobbys Frau (L. Tonke), die Freundin der Fau (M. Hill) sowie Bobbys besten Freund (W. W. Möhring) mit ein. In Rückblenden wird das chaotische Leben Bobbys und sein Verhältnis bzw. Verständnis zum/vom anderen Geschlecht seziert und zwischendurch immer wieder in die Gegenwart (zur Show) geblendet.
Thematisch ist der Inhalt auf "Ich (Mann) Jäger - Du (Frau) Sammlerin" begrenzt und bestimmt die gedanklichen Verrenkungen der Mitwirkenden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Geschichte mit einem Exkurs in die Steinzeit einhergeht.
Die Gags sind platt und abgedroschen. Sicher, manchmal ertappt man sich selbst und stimmt schweigend der Verlautbarung zu, doch stellt sich die Frage, ob diese Art von Humor heute noch gewollt bzw. angesagt ist, da er weder etwas Frisches hat noch die Vortragsweise eine besondere ist. Will man ewig die gleichen Themen in Comedyfilmen verwursten oder sollte sich die Gesellschaft sowie die Menschheit nicht auch weiterentwickelt haben und über diese Geschlechterstereotypen einfach hinwegsehen? Das muss natürlich jeder für sich sebst entscheiden.
Ein Konzept geht indes nicht auf: Die Einbindung der anderen Personen um den Charakter Bobby herum. Man spielt nicht miteinander sondern mehr nebeneinander. Eine Interaktion wie bei den damaligen Screwball-Komödien aus den 30er/40er Jahren kommt nicht zustande. Die anderen Charaktere wirken nur wie Stichwortgeber für Bobby. Dass Bobby sein Handeln im Rückblick dann auch selbst kommentiert, in dem er sich für ein paar Sekunden "aus der Szene herauslöst", halte ich dafür für ganz gelungen.
Doch letztlich stimmt aus o.g. Gründen das Gesamtkonzept nicht. Das wäre so, als würden bei der Bühnenshow eines Mario Barth plötzlich tatsächlich seine Freundin, seine Mutter, etc. mit auf der Bühne präsent sein. Funktionieren würde das nicht, da die individuelle Vorstellung des Zuschauers über diese Personen leiden und entzaubert würde.
Meines Erachtens ist das auch der Grund, warum trotz gutem Aufgebot der deutschen Comedyszene (M. Hill, W.W. Möhring, J. Vogel) die Nebendarsteller nicht mal ansatzweise ihr Können unter Beweis stellen. Noch nie habe ich eine M. Hill so unlustig erlebt, Welten von KNALLERFRAUEN entfernt.

Wen die Thematik sowie die platte Darstellungsweise nicht stört, kann mal einen Blick riskieren auch wenn meines Erachtens die Adaption des Bühnenstückes für die Leinwand nicht gelungen ist. Wie so etwas richtig gut gemacht wird zeigen Filme wie DER VORNAME oder DER GOTT DES GEMETZELS.
bild 7.55 Software 5.3.5.0, Vodafone Kabel TV, AVR Yamaha RX-A1080, Panasonic UHD 9004, Elac FS und CC 189 + TS 3030 + WS 1235 + Sub 2030 als 5.1.2 System, PS3, ATV4K

Kino ist das Größte !!! Geht mal wieder hin.

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DIE DREI ??? - DAS ERBE DES DRACHEN

#637 

Beitrag von MovieMan »

Was habe ich als Jugendlicher die Bücher der DREI ??? verschlungen, teilweise 2 an einem Tag. Die Spannung und der meistens wohlige Grusel waren für mich immer wieder beim Lesen ein Highlight. Und hinsichtlich der Bekanntheit der Bücher sowie des Fandoms der grandiosen Hörspiele ist es eigentlich ein Wunder, dass nicht massenhaft Geschichten aus den Roimanvorlagen ihren Weg auf die grioße Leinwand gefunden haben. Zwei Verfilmungen in den frühen 2000er und sonst nix. Nun schickt sich eine deutsche Produktion an, die filmerische Lücke zu füllen.

Die drei ??? sind bereits eine eingeschworene Truppe. Ihr Abenteuer führt sie an einen Fiilmset in Rumänien, wo sie als Praktikanten von Peters Vater mitwirken sollen. Schauplatz ist ein altes rumänisches Schloss und wie es nicht anders sein kann, trägt der Film den verheißungsvollen Namen: Dracula Rises! Doch das Schloss birgt ein Geheimnis, denn vor vielen Jahren verschand dort ein Junge, der nicht wiedergefunden wurde. Außerdem soll sich ein sagenumworbener Schatz irgendwo dort befinden. Während Justus Jonas einen "Auftrag" für das Team wittert, hält sich Peter Shaw sehr zurück, da er Ärger mit seinem Vater aus dem Weg gehen will, was wiederumg zu Zwistigkeiten im Detektivteam führt. Aber ein J. Jonas lässt sich natürlich nicht abhalten, eine Spur zu verfolgen, welche er bereits aufgenommen hat. Schnel wird klar, dass sie nicht die einzigen sind, die hinter dem Schatz her sind.

Die Rolle des Justus mit dem aufstrebenden deutschen Jungschauspieler J. Weckauf zu besetzen, erweist sich als wahrer Coup. Vortrefflich weiß er, den personifizierten Besserwisser aus den Romanen zu geben. Auch die Charaktere des Peter Shaw und Bob Andrews werden durch ihre Schauspieler glaubhaft verkörpert. Selbst das Detektivbüro auf den "Schrott"platz entspricht meinen Vorstellungen aus den Romanen. Insofern ist meines Erachtens das Trio sowie die Umgebeung sehr stimmig umgesetzt.
Glücklicherweise hat man sich auch dazu entschieden, einen gewagten aber glücklichen Spagat zwischen den Geschichten und der heutigen Gegenwart dahingehend zu machen, dass das Trio nicht mit überbordendem Schnickschack aus der heutigen Zeit hantiert, sondern schon mal eine Zeitung oder eine Bibliothek bemüht. Vereinzelt wird mit modernen Gadgets gearbeitet, doch dies nur dezent. So wähnt sich der Leser der Bücher und heutige Kinogänger noch gut aufgehoben, da das Original trotz dezenter Anpassung unverkennbar geblieben ist. Es hat eben keine komplette Transformation in das Hier und Heute stattgefunden. Und das Schöne daran ist, dass es auch gar nicht stört.

Die Konzeption der Geschichte hebt sich jedoch schon von dem Büchern ab. Während ich den Büchern immer einen nahezu durchgehenden Spannungsbogen attestiert habe, fällt dieser in diesem Film doch hin und wieder etwas ab. Ob als Grund dafür die FSK6 herhalten müssen, ist für mich nicht ganz klar. Die Umsetzung entbehrt auch ein wenig des aus den Romanen empfundenen Gruseligen, zumindest aus meiner heutigen Sicht. Aber auch im Verrgleich mit anderen Produktionen wirkt diese sehr brav und zurückhaltend was die Peaks im Spannungsbogen betrifft. Einen DER RÄUBER HOTZENPLOTZ habe ich trotz dessen FSK0 stellenweise schon als gruseliger empfunden. Es wäre auch kein Verbrechen gewesen, den Film mit einer FSK12 auszustatten und den Inhalt entsprechend zu konzipieren, da bei FSK12 in Begleitung Erziehungsberechtigter auch Kinder ab 6 dem Geschehen beiwohnen dürfen. Gerade eine Story auf einem rumänischen Schloss, einhergehend mit einem Dracula Filmset bietet sich doch förmlich an, die Spannung und den Grusel ordentlich aber noch kindgerecht anzuziehen. Ich kann mir vorstellen, dass sich Kinder beim Lesen der Bücher aufgrund ihrer Vorstellungskraft vor dem Inhalt mehr fürchten, als sie es bei zumindest dieser Umsetzung tun müssen.

Sehenswert und auch etwas nostalgisch ist auch der Abspann des Films gelungen, der verschiedene Romane aus der Anfangszeit der Buchreihe optisch aufgreift. Also das etwas längere Sitzenbleiben lohnt schon. Ob das versteckte Hinweise auf kommende, weitere Verfilungen aus deutschen Landen sind, kann ich nicht beurteilen. Mich würde es aber nicht stören, nochmals eine Geschichte des Detektivtrios im Kino zu sehen.

Gut gemachte Leinwandadaption der Romane als Familienunterhaltung mit gut spielenden Schauspielern und was für Fans und welche, die es werden wollen. Vielleicht wird manch einer ja mal wieder zum Lesen animiert.
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