Ich war im Kino...

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MovieMan
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ICE CREAM MAN

#1176 

Beitrag von MovieMan »

Der freundliche Eisverkäufer verteilt kurz vor Beginn der Sommerferien in einer kleinen Stadt seine süßen Leckereien, welche auf die genusssüchtigen Schüler eine Wirkung entfachen, die sich deutlich gegen die Erwachsenen richtet.

Regisseur und Drehbuchautor Eli Roth hat wieder zugeschlagen. Man darf sich von den nostalgischen und freundlich anmutenden Bildern der ersten Minuten nicht beirren lassen. Was den Zuschauern hier aufgetischt wird, ist Horror-Splatter der übelsten Sorte. Da wird gemeuchelt und gemordet, was Alltagsgegenstände hergeben.
Und schon bald ergießt sich ein Blutschwall über die Leinwand, den man so doch selten sieht.

Die Kamera sieht ganz genau hin, teils in genüsslicher Großaufnahme. Zusammen mit handgemachten Effekten bahnt sich der Gore hinter jeder Ecke unaufhaltsam seinen Weg, sodass es einem teils die Sprache verschlägt. Soll man lachen oder soll man sich angewidert wegdrehen? Darf man überhaupt lachen? Manchmal war ich fast überfordert, wie ich auf das Gezeigte emotional reagieren sollte. Dabei wird das blutige Handwerk tricktechnisch richtig gut ausgeführt.
Doch während Roth seinen Mitstreitern wie TERRIFIER, etc. entgegenschreit: Was ihr könnt, kann ich auch! – vernachlässigt auch er eine Storyline, die für sich selbst einen Spannungsbogen bildet. Sicherlich ist eine Rahmenhandlung deutlich erkennbar, doch die Auflösung ist nur solala. Trotzdem hebt er sich inhaltlich und konzeptionell für mich noch deutlich positiv von der TERRIFIER-Reihe oder den WINNIE-POOH-Horrorstreifen ab.
Toll sind allerdings unzählige Szenen, die eine Hommage an eine ganze Reihe von Filmen bilden, von KEVIN ALLEIN ZU HAUS bis Hitchcocks DIE VÖGEL ist vieles dabei. Die FSK18 sind voll begründet.

Musikalisch untermalt wird das Ganze wiederkehrend mit einem lustigen Song, der einem am Ende des Films selbst schon wie der wahre Horror vorkommt.

Ein eisiges Schlachtfest wie man es so schnell nicht vergisst, gemacht für alle Gore-Hounds da draußen, die einer neuen Befriedigung ihrer Bedürfnisse entgegenfiebern, sehr schräg unterhaltsam.
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WAS HABEN WIR GELACHT

#1177 

Beitrag von MovieMan »

M. Kroymann, G. Köster, E. Schweins, B. Böttinger sowie H. von Sinnen werden zu den Eindrücken über ihr Erleben frauenfeindlichen Humors in den TV-Shows der 1970er bis 2000er Jahre befragt.

Die Interviews werden als jeweiliges Einzelinterview gezeigt, wobei zwischen den Interviewten immer hin- und hergewechselt wird. Zum Teil werden den Interviewten auch die Reaktionen der anderen vermittelt, sodass darauf ebenfalls eine Reaktion erfolgt.
Gespickt ist diese Doku mit unzähligen TV-Ausschnitten verschiedener Sendungen. Jeder Ausschnitt ist fokussiert auf das Handeln oder die verbalen Äußerungen männlicher Showmaster.
Die o.g. Frauen erinnern und reflektieren ihre damaligen Gefühle und Emotionen sowie ihre heutige Sicht auf die damalige, aber auch heutige Situation.
Die hohe Konzentration solcher Ausschnitte verdeutlicht den frauenverachtenden Humor, der damals gesellschaftsfähig war und auch heute teilweise noch akzeptiert ist, auch wenn heute zumindest ein klein wenig sensibler und umsichtiger zu Werke gegangen wird.
Selbst als Mann kann man nicht abstreiten, dass die Frau in den Anfängen der TV-Shows regelrecht missbraucht und nicht ernst genommen wurde.

Die Aussagen von Kroymann und Co sind ehrlich, authentisch und auch (nachvollziehbar) emotional. Dass sie dabei auf ein extremes Bashing der männlichen Beteiligten verzichten und ihre Kritik ruhig und recht sachlich vortragen, bewirkt, dass man eher geneigt ist, sich mit der Situation konstruktiv auseinanderzusetzen.

Warum schaut man so etwas im Kino und nicht am TV?
Ich denke, dass man im Kino aufmerksamer zuhört als zu Hause, wo vielleicht nebenbei das Handy/Tablett bedient wird, man zum Kühlschrank rennt oder sich mit anderen Zusehern unterhält. Im Kino besteht weniger Ablenkung. Daher schaue ich Dokus zunehmend lieber im Kino, auch weil man die Reaktionen anderer mitbekommt.

Als Zeitzeuge der angesprochenen TV-Shows kann ich sagen, dass ich mir damals wenig bei der Art von Humor gedacht habe. Allerdings sind mir die damaligen Grabschereien eines gewissen Showmasters selbst unangenehm aufgefallen, heute würde man sagen: richtig cringe.
Da sich die Welt in einigen Ansichten auch wieder rückwärts dreht, halte ich eine solche Doku, die die Missstände in der TV-Industrie aufdeckt, für enorm wichtig, als Mahnung, dass man das mühsam Erlangte nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollte – egal ob im Kino oder vor der Glotze.
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NIGHTBORN

#1178 

Beitrag von MovieMan »

Saga (S. Haarla) und Jon (R. Gint) lassen sich in den finnischen Wäldern nieder, in einem charmanten Waldhäuschen und planen ihre Familie. Kaum ist der Sprössling auf der Welt, hat insbesondere Saga zunächst Probleme, eine Beziehung zum Baby herzustellen, denn mit dem Kind „stimme etwas nicht“.

Booaaaah. Ob man nach dem Film noch Kinder in die Welt setzen bzw. Mutter werden möchte? Eine blutige Mischung aus nordischen Sagengestalten, Wochenbettdepressionen und Beziehungskrise peitscht unaufhörlich auf den Zuschauer ein und steigert sich immer weiter. Einige Bilder sind schon schwer zu ertragen. Vielleicht sollten sich junge Mütter diesen Film nicht ansehen.
Die Inszenierung kann sich sehen lassen, ein abgelegener, düsterer Ort, eine Familie in Extremsituation und ein Baby, welches Besonderheiten aufweist.
Im Mittelpunkt steht die (schwierige) Beziehung der Mutter zum eigenen Kind.
Was man letztlich tatsächlich zu sehen bekommt bzw. wie die Story eigentlich gemeint ist, könnte man nach dem Film auch diskutieren. Ist das Offensichtliche tatsächlich so gemeint oder ist die Geschichte mehr im Übertragenen Sinne zu verstehen?
Auf jeden Fall wird eine unheimliche Atmosphäre erzeugt, die einen sofort in den Bann zieht und bis zum Ende nicht mehr richtig loslässt. Permanent wird die Spannung angezogen und nur zwischendurch mal für ein paar Minuten wieder gelockert.
Zu verdanken ist das den gut ausgesuchten Figuren, insbesondere aber der Hauptdarstellerin, die die Mutterrolle sehr speziell ausführt. Auch scheint S. Haarla ein wenig Kraftsport zu betreiben. Wenn die Arme im Closeup eingeblendet werden und die Muskelmasse deutlich wird, hat das fast schon etwas Einschüchterndes. Dass sich eine solche Frau dann in Ihrer Rolle als Mutter „unwohl fühlt“ bzw. ihr nicht gewachsen scheint, ist zunächst fast unverständlich.
Die Gefahr lauert auch mehr im Erahnten, denn das Gruseligste ist hier mehr das, was man nicht sieht bzw. das, was man zu sehen glaubt. Der Film spielt insbesondere mit der individuellen Vorstellungskraft der Kinogänger. Die Angst/das Unbehagen entsteht eben immer im Kopf.

Daneben trägt natürliche das düstere Setting auch zur gruseligen Grundstimmung bei, wie auch die Toneffekte. Überall knarzt und knirscht es, das klingt unheimlich.
Die gut eingestreuten blutigen Effekte runden die Sache dann endgültig ab.

Sehr spannender und atmosphärischer Babyschocker im nordischen Gewand mit einer herausragenden Hauptdarstellerin. Das hatte ich so nicht erwartet und war sehr positiv überrascht.
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YOU, ME & ITALY

#1179 

Beitrag von MovieMan »

Die am Rande der finanziellen Existenz lebende Anna (H. Bailey) fährt kurzentschlossen nach Italien, um dort einen flüchtigen Bekannten aufzusuchen. Ihr dortiges Erscheinen löst Erstaunen bei dessen Familie aus. Durch eine Flunkerei entgleitet Anna die Möglichkeit, Sachverhalte in das richtige Licht zu rücken. Und schon nimmt das Drama seinen unaufhaltsamen Lauf.

Das ist so ziemlich die flachste Liebesromanze, die ich jemals gesehen habe. Die Story ist komplett realitätsfern konstruiert und die Figuren bleiben unreflektiert. Wer über diesen Makel hinwegsehen kann, wird mit einer sehr seichten Lovestory und wunderschönen Landschaftsbildern aus Italien belohnt sowie mit einer italienischen Großfamilie, die vor Klischees nur so tropft.
Erstaunlich ist, dass der Film trotzdem wenig sperrig ist und einem die Figuren sogar sympathisch erscheinen. Einen tieferen Charakter hat man jedoch keiner Figur zugestanden, alles bleibt oberflächlich, so wie ein Smalltalk mit einem US-Amerikaner.
Die Irrungen und Wirrungen sind dermaßen in das Drehbuch gepresst worden, das die Geschichte daran erstickt.
So sind z.B. wirklich fetzige Dialogwechsel gar nicht vorhanden. Da sind die Screwballkomödien aus den 50ern wesentlich bissiger und pointierter.
Die Haupt- und Nebendarsteller wissen den Figuren, keinen individuellen, unverwechselbaren Stempel aufzudrücken. Sie bleiben alle blass. Viel Dialog macht eben noch keinen guten Film aus.

Platt-glatter Liebesreigen mit uninspiriertem Drehbuch, der zwar gut durchflutscht, aber genauso schnell wieder vergessen sein wird, wie er auf der Leinwand andauerte. Was für einen verregneten Sonntag, wenn man sonst keine Idee hat, wie man die Zeit rumkriegen soll.
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THE END OF OAK STREET

#1180 

Beitrag von MovieMan »

Was wäre, wenn sich das Leben über Nacht komplett verändern würde?
Was wäre, wenn man über Nacht plötzlich an einem anderen Ort „gelandet“ ist?
Mit dieser Frage müssen sich Denise (A. Hathaway) und Greg (E. McGregor) sowie ihre beiden Kinder auseinandersetzen. Über Nacht ist für sie das Dasein ein anderes geworden und das beschauliche Leben im vertrauten Heim einer kleinen Vorstadtsiedlung weicht dem puren Überlebenskampf. Da tritt selbst die Ehe-/Familienkrise in den Hintergrund.

Auch wenn es Scifi ist, aber da hat man sich mal ein wenig was ausgedacht. Der Film fängt beschaulich an und wechselt dann abrupt den Tenor. Die Drehbuchschreiber haben eine spannende Story beisammen bekommen und das (begrenzte) Setting ist ordentlich ausgearbeitet. OK, an die Realität darf man jetzt keine Ansprüche stellen, doch wenn man das im Kopf ausschalten kann, wird man mit einem mords-spannendem Film belohnt, der sich anfangs wie ein B-Movie anfühlt und dann nach und nach immer mehr aufdreht.
In vielen Szenen lässt man den Zuschauer zunächst nur erahnen, was vor sich geht. So entsteht schon nach kurzer Spieldauer ein erhebliches Spannungsgefüge, welches mit zunehmender Entwicklung der Geschichte immer weiter genährt und „ausgebaut“ wird.

Hathaway und McGregor füllen ihre Rollen/Figuren mit viel Engagement aus und die Figuren ergänzen sich inhaltlich gut, Hathaway als der eher verzweifelte und McGregor als der zuversichtliche Part.
Leider lässt man die Nebengeschichte der Ehekrise fast ungenutzt liegen und verwehrt den Figuren dadurch eine tiefere Charakterdarstellung. Der Film ist mehr auf Action ausgelegt.

An einigen Stellen wird es blutig und bedrohliche Szenen halten länger an. Was für gestandene Kinogänger spannend sein kann, ist vielleicht für einige zu viel. Der Film ist mit FSK12 bewertet, d.h. es dürfen auch Kinder ab 6 Jahren in Begleitung Erziehungsberechtigter in die Vorstellung, so war es auch bei mir. In 2-3 Szenen wurde von diesen jüngeren Kindern doch beträchtliches Unbehagen geäußert, was ich zumindest in einer Szene völlig nachvollziehen kann. Wer also mit seinen kleinen und vielleicht sensiblen Sprösslingen den Film besuchen möchte, sollte sich das gut überlegen.

Tricktechnisch merkt man zwar ein begrenztes Budget, doch ILM wäre nicht ILM, wenn es nicht aus wenig noch akzeptable Tricks und Schauwerte präsentieren könnte. Und so sieht der Film zwar eine Stufe schlechter aus als das perfekte Blockbusterkino, doch das stört gar nicht, weil der Look einfach stimmig ist.
Soundmäßig ist viel los im Film, da raschelt es in allen Richtungen. Ich empfehle, bis zum Schluss sitzen zu bleiben, denn neben einem schönen Score kommt ganz am Ende noch mal ein toller akustischer Leckerbissen im Sinne eines raumfüllenden Natursounds.

Unerwartetes Scifi-Highlight mit ordentlich Abenteuereinschlag und einer spannend konstruierten Geschichte sowie guter, wenn auch nicht überbordender Tricktechnik.
Ich hoffe, dass der Film nicht zwischen SPIDER-MAN und ODYSSEE untergeht, das hätte er nicht verdient.
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EXIT 8

#1181 

Beitrag von MovieMan »

Der namenlose Mann findet im Labyrinth einer Bahnstation ebenso wenig den Ausgang wie eine Lösung seiner Beziehungsprobleme.

Mit Wackelkamera fängt es ziemlich dokumentarisch an und „endet“ schnell in einer unangenehmen Situation des Protagonisten. Einer Recherche zufolge handelt es sich um die filmische Umsetzung eines Videospiels. Die Situation ist sowohl bedrückend und beklemmend als auch ernüchternd. Einmal den falschen Weg eingeschlagen, beginnt das Rätseln von vorn.
Das Setting und der Plot sind einfach aber effektiv. Vielleicht ist der Film ein wenig zu lang geraten, denn Vieles wiederholt sich. Im Videospiel mag das eine Herausforderung sein, als passiver Kinozuschauer wird es zur Geduldsprobe.
Dass der Film nur eine Metapher ist, wird allzu schnell deutlich. Die wenigen Figuren sind in ihrem Auftreten äußerst reduziert, wann erfährt sehr wenig über sie.
Die Geschichte bezieht ihre Spannung allein dadurch, dass man als Zuschauer wissen möchte, ob der Mann seiner ausweglos erscheinenden Situation wieder entkommen kann. Ich denke, dass hier auch ein typisches Bild des Sozialgefüges Japans aufgezeigt wird, welches sich nicht zu 100 Prozent auf die europäische Gesellschaft übertragen lässt.

Typisch asiatisch ist auch das emotionale Overacting in manchen Situationen.

Der Film enthält leichte Horrorelemente. Das hält sich jedoch in Grenzen, sodass ich die Art des Films eher einem Thriller zuschreibe.

Eine thrillermäßige Metapher über scheinbar ausweglose Situationen des Lebens, hier als Labyrinthspiel einer Bahnstation.
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INSIDIOUS 6: OUT OF THE FURTHER

#1182 

Beitrag von MovieMan »

Zahnärztin Gemma hat sich aus einem kindlichen Trauma herausgekämpft und ist zwischenzeitlich selbst Mutter. Ihre nicht vorhandene Bereitschaft, sich von der Vergangenheit zu trennen, bringt sie und ihre Umstehenden in erhebliche Gefahr, denn die alten Dämonen sind plötzlich wieder da.

Neuer Aufguss der Schauermär mit neuer Geschichte. Es ist nicht notwendig, die vorangegangenen Teile gesehen zu haben, um diese Geschichte nachvollziehen zu können.
Die ersten ca. 30 Minuten sind sehr gruselig konzipiert und führten bei mir zu einer gehörigen Anspannung. Mit zunehmender Auflösung nimmt m.E. auch der Spannungsbogen immer weiter ab. Und trotz der Masken verspürte ich immer weniger Unbehagen. Dazu ist das Drehbuch für 2/3 des Films zu uninspiriert. Es gibt nichts zu sehen, was es in anderen Teilen oder Filmen nicht schon gab. Ich fürchte, den Autoren sind die grundlegenden Ideen ausgegangen.

Die Masken sind ganz ok gestaltet, Angst verbreiten sie nicht unbedingt.
Ein paar Effekte sind ganz gelungen. Dazu sollte man aber auch den Trailer nicht gesehen haben, denn dieser nimmt bereits Einiges vorweg.
Schwächen beweist die Inszenierung auch im Spiel mit Licht/Schatten und Dunkelheit. Das Bild ist hell genug, um Unheil identifizieren zu können, doch bis auf (zu) wenige Szenen sind diese Sequenzen ebenfalls uninspiriert. Überraschend werden Jumpscares sehr zurückhaltend eingesetzt, vor allem akustisch.

Dämonengrusler, der zu wenige erfrischende Ideen aufweist und auch technisch nicht ganz mit anderen Verfilmungen mithalten kann – gerade noch solide genug, um mittelmäßige Unterhaltung zu generieren. Schade, dass die Qualität des Filmanfangs nicht durchgehend gehalten werden kann.
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MARSUPILAMI

#1183 

Beitrag von MovieMan »

Die derangierte Familie des in der Klemme steckenden David macht für seinen skrupellosen Chef eine Abenteuerreise in den Urwald, um für diesen ein Paket mit geheimnisvollem Inhalt in Empfang zu nehmen und nach Frankreich zu bringen. David macht sich samt (widerwilliger) Familie und Arbeitskollegen auf die Reise und schon bald wird klar, dass sie nicht die einzigen sind, die sich des Pakets bemächtigen wollen. Und wenn man einer Person sagt: „Öffne unter keinen Umständen das Paket“ geschieht was? Genau! Und schon wird es noch komplizierter.

Eigentlich war ich nur an der tricktechnischen Umsetzung des Plüschwesens interessiert und habe in Kauf genommen, dass der Rest der Geschichte für mich ziemlich uninteressant sein wird. Wie man sich irren kann. Für das von mir Erwartete war die Geschichte schon ziemlich komplex: Ein familiäres Beziehungsdrama, Kinderprobleme, etwas Krimi sowie Abenteuer und jede Menge (platter) Humor.
Gerade der Humor fällt zwar sehr slapstickartig aus, doch das rettet den Film. Es wird suggeriert, dass sich der Film selbst nicht allzu ernst nimmt und das ist auch gut so, denn eine ernsthafte Variante hätte man den Drehbuchautoren auch nie abgenommen.

Auffällig ist indes, dass es zunächst kaum Szenen mit dem sagenumworbenen (Comic)Wesen gibt, die kommen erst sehr viel später. Auch die Screentime des Marsupilami ist letztlich nicht übermäßig.
Entsetzt war ich von dem Look, den man dafür kreiert hat. Mit übergroßen Augen eifert man asiatischen Animefiguren/Plüschfiguren nach, von einer Umsetzung des alten Comiclooks kann fast keine Rede sein.
Auch die Tricktechnik hat mir nicht gefallen. In sehr vielen Szenen wird allzu überdeutlich, dass optisch getrickst wird, die Animationen sind sehr oft nicht flüssig. Auch Szenen, in denen Menschen mit dem Tier interagieren fallen in der Qualität deutlich ab, des Öfteren richtet sich der Blick der Schauspielenden am Ziel vorbei.

Insofern ist es gut, dass für mich der slapstickartige Humor die Geschichte gerettet hat und ich mich sehr, sehr gut unterhalten fühlte – auf diese Weise unerwartet, aber umso besser.

Familienabenteuer um ein anarchisches Plüschwesen mit viel Slapstick und hervorragendem Unterhaltungswert, aber mit unzureichender Tricktechnik.
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IM SPIEGEL MEINER MUTTER

#1184 

Beitrag von MovieMan »

Archäologin Ursula (C. Harfouch) hadert mit dem Tod ihrer kürzlich verstorbenen Mutter (H. Schmahl), die sehr dominant auftrat. Gefangen zwischen Auflösung der mütterlichen Wohnung und viel Zeit einnehmenden Arbeiten an einer Moorleiche, muss sich Ursula mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig beschäftigen. Unterstützung erfährt sie von der neuen Assistentin Mel.

Das Drehbuch schickt C. Harfouch durch eine Tour de Force ihrer Filmfigur. Harfouch meistert das ganz bravourös und verdeutlich wieder einmal, welch eine geniale Topschauspielerin sie ist.
Dem Drehbuch und Regie (J. Brückner) muss ich ein Kompliment machen. Inszenierung und Dialoge sind enorm ausgefeilt und füttern die Kinozuschauer häppchenweise mit immer neuen Informationen über eine Geschichte, deren Realität sehr nebulös daherkommt. Erinnerungen und Realität vermischen sich oft, sodass auch der Zuschauer des Öfteren nicht mehr weiß, was Sache ist. Es erfolgt Denkanstoß auf Denkanstoß. Insofern verdeutlich das Dilemma des Zuschauers das Dilemma der Hauptfigur, die sich irgendwie in ihrem Leben verirrt und jetzt Probleme hat, wieder den richtigen Weg einzuschlagen. Darauf muss man sich allerdings als Zuschauer auch einlassen. Ansonsten könnte der Film in seiner Umsetzung schnell zu sperrig wirken, sodass die Lust auf den weiteren Fortlauf der Story genommen wird.

Grundsätzlich thematisiert der Film Tod, menschlichen Verlust und den Umgang damit, vor allem in Bezug auf die Beziehung zwischen Mutter und Tochter.
Es wird auch nicht alles vollends aufgelöst und nicht jede Frage beantwortet, das bleibt dem Zuschauer überlassen, gleich als „Test“ wie er/sie zu seiner/ihren eigenen Beziehung zur Mutter steht.

Wer offen bleibt, wird mit einem Film und einer Inszenierung zum Mitdenken belohnt sowie mit einer C. Harfouch in absoluter Topform.
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SPAZIERGANG NACH SYRAKUS

#1185 

Beitrag von MovieMan »

Noch zu DDR-Zeiten verspürt Paul (C. Hübner) den Wunsch, nach Italien zu reisen. Eine Reisefreiheit fordert er wenig erfolgreich von den politischen Genossen ein. Seine Beharrlichkeit wird zunehmend zu einer Bewährungsprobe seiner Ehe mit Anne (L. Beckmann). Doch was muss das muss.

Der Film orientiert sich an einer wahren Begebenheit sowie an dem Roman DER SPAZIERGANG VON ROSTOCK NACH SYRAKUS.
Trotz einiger Spannungsmomente und Erklärungen aus dem Off bleibt der Film irgendwie auch an der Oberfläche. Die Geschichte ist fast wie eine Dokumentation der deutschen (Flucht)Geschichte aufbereitet, in die zwischenzeitlich die zwischenmenschlichen Beziehungen in einer solchen angespannten Situation eingearbeitet wurden.
Dass der Film für mich trotzdem ein Erfolg ist, ist der supercharmanten Darstellung der Hauptfigur, die mit C. Hübner exzellent besetzt ist, zu verdanken. Ihm seine eigene Frau, L. Beckmann, als Ehefrau zur Seite zu stellen, erweist sich als besonderer Clou. Es ist fraglich, ob sie in manchen Szenen überhaupt spielen oder ob diese sich auch so im realen Leben abspielen (könnten). Besser kann man eine Chemie zwischen zwei Darstellern nicht rüberbringen.

Inhaltlich ringt die Story dem Zuschauer schon einige Gedanken über die Sehnsüchte früherer DDR-Bürger ab und für EX-DDR-Bürger dürfte diese Geschichte vielleicht eine kleine Reise in ihre eigene Vergangenheit sein. Dass die Hauptfigur nie seine Identität als DDR-Bürger infrage stellt, ist ein schöner Hinweis auf noch heute bestehende Wahrnehmungen, die leider politisch immer wieder ausgeschlachtet und sicherlich auch manchmal sinnverdreht dargestellt werden und zu (ungewollten?) politischen Umwerfungen führen. Das kann man vielleicht auch als Kritik am gegenwärtigen Umgang mit der Vergangenheit werten.
Trotz dieser Bemühungen, dringt der Film nicht so in die Tiefe ein, wie man sich das vielleicht an der einen oder anderen Stelle gewünscht hätte. Ich meine, dass damit der Film dann aber auch zu lang und zu überfrachtet geworden wäre.

Dank des übersympathischen Darstellerduos ergibt sich eine Geschichte, die einen Überblick über Sehnsüchte der DDR-Bürger hinsichtlich eingeschränkter Reisefreiheit gibt, auch wenn es an Tiefe fehlt. An Nachvollziehbarkeit fehlt es aber nicht.
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MUTINY

#1186 

Beitrag von MovieMan »

EX-Soldat Cole (J. Statham) arbeitet für eine Familie als Personenschützer. Ein Anschlag führt ihn auf ein Containerschiff. Dort muss er erkennen, wie weit die Geschäfte der Familie reichen. Von Rache getrieben versucht er, die Oberhand über das Schiff zu gewinnen und erhält unerwartet Hilfe von einem Mannschaftsmitglied.

J. Statham prügelt sich durch die Filme. Zwischenzeitlich zieht in den Werken mit seiner Beteiligung auch der Brutalitätslevel ordentlich an. Auch hier fließt reichlich Blut und Horden seiner Gegner segnen das Zeitliche.
Irgendwie wirkt der Film wie eine etwas aktuellere Ausgabe von ALARMSTUFE ROT, nur dass sich Statham natürlich um Welten (positiv) von einem „Schauspieler“ wie S. Seagal abhebt. Dieser Racheactioner funktioniert allerdings nur bedingt. Das bedingungslose Gefühl für die Zuschauer, dass hier Gerechtigkeit mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, ohne Rücksicht auf irgendwelche Verluste und rechtlichen Wertvorstellungen, wiederhergestellt werden muss, hat sich bei mir nur so semi eingestellt.
Die Figuren bleiben blass, die Charaktere sind nicht ausgearbeitet.
Die Inszenierung ist schnell, lässt nur wenige Atempausen zu und erzeugt ein hohes Spannungsmoment. Seitens der Action sind die Statham-Streifen mittlerweile austauschbar, denn alle vereint, dass die Kämpfe mit jeglicher Art Waffen ausgetragen werden und total durchchoreographiert sind.
Aufgrund expliziter Gewaltdarstellung in wenigen Szenen und dem immer einfließenden Thema der Selbstjustiz, musste die FSK18 ausgesprochen werden.

Statham dreht viel und er ist mir auch (noch) super sympathisch. Doch er sollte jetzt aufpassen, dass er nicht den Abgang macht wie einst S. Seagal, denn irgendwann nützt eine bessere schauspielerische Leistung auch nichts mehr, wenn sich die Filme inhaltlich so gleichen, dass sich auch beim wohlwollendsten Publikum Ermüdungserscheinungen einstellen.

Noch passabler, aber brutaler Actionprügler mit einem J. Statham, der sich nicht aus seiner Komfortzone herausbegibt.
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ONE NIGHT ONLY

#1187 

Beitrag von MovieMan »

Aus gesundheitspolitischen Gründen haben die USA entschieden, dass nicht verheiratete Personen nur eine Nacht im Jahr Sex haben dürfen. Die Singles Allie (M. Barbaro) und Owen (C. Turner) sind an diesem Abend ebenfalls auf der Suche nach einem zweideutigen Date. Auf lustige Weise kreuzen sich ihre Wege in den nächsten Stunden mehrfach.

Romantischer Film nach THE PURGE- Art. Schon die Ausgangssituation ist völlig verrückt und das Drehbuch macht sich die bekloppte Idee zu eigen und schickt die Protagonisten durch einen Wirrwarr der Gefühlswelt. Das ist wenig realistisch aber trotzdem ultimativ süß. Zuzusehen, ob und unter welchen Bedingungen beide Figuren nun zusammenkommen oder auch nicht ringt einem schon ein paar romantische Gefühle ab. An den Realitätsgrad darf man dabei aber bitte keinerlei Ansprüche stellen, denn das würde ein Gefallenfinden an dem Film erheblich blockieren.

Auch wenn die Paarung Barbaro/Turner ganz hervorragend funktioniert und harmoniert, bei der Geschichte hätte man auch die Sau rauslassen können. Aber das Drehbuch kennt nur die angezogene Handbremse. Typisch amerikanisch dieser Umgang mit dem Thema Sex? Vielleicht. Meines Erachtens ist der Film zu brav, es hätte ruhig etwas „dreckiger“ zu Werke gehen dürfen.

Es verbleibt ein sympathisches Paar, welches einen guten Draht (und mehr) zueinander hat, in einer viel zu braven Geschichte über Menschen, die nur 12 Stunden im Jahr Möglichkeiten zum Sex haben.
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DAS ENDE DER STERNE (WIE BIG HIG SIE KANNTE)

#1188 

Beitrag von MovieMan »

Nach einer fiesen Pandemie leben die Menschen, deutlich in ihrer Anzahl reduziert, nurmehr in kleinen Gruppen über das Gebiet der USA verteilt. Misstrauen allem Fremden gegenüber ist der ständige Ratgeber für das Überleben. Big Hig (J. Elordi) verlässt sein Refugium und ein Notfall führt ihn zu Cima (M. Qualley) und ihrem Vater Pops (G. Pearce). Ein richtiges zu Hause scheint irgendwie nicht mehr zu finden zu sein.

Regiemeister R. Scott zeichnet das Bild einer dystopischen Welt, in der Misstrauen an der Tagesordnung ist und jeder für sich selbst kämpft. Man bildet zwar zweckmäßige Allianzen, doch man darf nicht erwarten, dass diese von Dauer sein werden.
Der Vibe dieses Films kommt unglaublich düster herüber. Stille Momente wechseln sich mit der (nicht überhandnehmenden) Action immer wieder ab. Der Film lässt den Zuschauern immer wieder Zeit, über die Situation selbst zu reflektieren.

Dazu tragen die teils für Menschen unwirtlichen Umstände/Landschaften bei sowie eine Farbgebung, die sich eher in den entsättigten Bereichen zu Hause fühlt. Auffällig ist, dass immer dann, wenn etwas wie ein wenig Hoffnung aufkeimt, diese Farbgebung ebenfalls ein wenig freundlicher abgemischt ist.
Die Geschichte schlägt in eine ähnliche Kerbe wie THE WALKING DEAD oder auch 28 YEARS LATER.
Vor allem die hochwertige Schauspielriege (in weiteren Rollen u.a.: J. Brolin, B. Wong und A. Janney) sorgt dafür, dass dieses dunkle Szenario die Zuschauer nicht vollends zermürbt.
Jeder Figur ist eine eigene Rolle zugedacht, die im übertragenen Sinn, jeweils einen eigenen Typ Mensch mit bestimmten Charaktereigenschaften verkörpert. Insofern kann das Geschehen durchaus auf die gesamte Gesellschaft übertragen werden.
Das schafft wiederum Identifikationspotential und regt zum Nachdenken an.

Gefühlsstarker und melancholischer Überlebenskampf der letzten verbliebenen Menschen, die alles hinter sich lassen mussten, zum Teil auch ihre Hoffnung, immer wieder unterbrochen mit ein paar Actioneinlagen, die aber eher im Hintergrund stehen.
Harter, unfröhlicher Stoff – jedoch gut und über weite Strecken ruhig erzählt.
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TERMINATOR 2 - TAG DER ABRECHNUNG

#1189 

Beitrag von MovieMan »

Im Rahmen der im Kino wiederaufgeführten Filme, habe ich mir auch dieses cineastische Highlight nochmals zu Gemüte geführt – für mich erstmals in 3D.
Damals habe ich den Film im großen THX-Saal des altehrwürdigen Hamburger Grindel-Kinos gesehen, eine 70mm-Version auf Riesenleinwand, auf der die Optik perfekt zur Geltung kam und die Tonspur einen förmlich in den Sitz gedrückt hat. Eine der besten und beeindruckendsten Kinovorstellungen, denen ich jemals beigewohnt habe.

S. Connor (L. Hamilton) verbringt ihr Dasein seit den letzten Ereignissen in der Psychiatrie, Ihr Sohn John (E. Furlong) kam bei einer Pflegefamilie unter. Und wieder wird aus der Zukunft ein Terminator (R. Patrick) in die Gegenwart gesandt, um den späteren Leader des Widerstandes zu eliminieren. Doch auch der Widerstand schickt einen Terminator (A. Schwarzenegger), um den Mord an John Connor zu verhindern. Die im Geheimen forschende Firma „Cyberdyne Systems“ bastelt zwischenzeitlich an der Zukunft.

Dieser Film hat 1991 das Actiongenre neu definiert. Regisseur J. Cameron hat mit wesentlich mehr Budget gedreht. Im Grunde ist der Film eine verbesserte Version des Originals. Gerade in der ersten Hälfte gibt es massig Szenen, die fast 1:1 aus dem Original entnommen und optisch/tricktechnisch aufgepeppt wurden. Die storytechnische Erweiterung bezieht sich dann auf das Einfügen von Humor, welcher dem Original völlig abging, sowie die Teilgeschichte um die Forschung an den Überresten des 1. Terminators sowie deren Bedeutung für die Zukunft. Und wenn 1991 die Filmfigur S. Connor erläutert, was in der Zukunft geschehen wird und man das heute in Zusammenhang mit der Diskussion um AI/KI bringt, läuft es einem nur noch eiskalt den Rücken runter. Da muss fast schon eingestanden werden, dass der Film damals auch als Science-Fiction wegweisend war. Die Geschichte (des Films) hat uns heute (leider) bereits eingeholt.

Wegweisend waren damals aber auch die visuellen Effekte von ILM im Bereich von Morphing und Darstellung von Flüssigmetall sowie die Soundaufbereitung von SKYWALKER SOUND. Der Ton wurde für damalige Verhältnisse sehr räumlich und druckvoll abgemischt und war eine mehr als deutliche Steigerung zum Original.
Was ist davon geblieben?
Ich war sehr positiv überrascht von der Klarheit des Bildes, teilweise war die Projektion sehr scharf und kann auch heutigen Produktionen durchaus Paroli bieten. Dass J. Cameron 3D kann, weiß man spätestens seit AVATAR. Auch hier ist 3D ein Mehrgewinn. Für das Alter des Films ist der Effekt erstaunlich gut gelungen.
Akustisch ist der Ton immer noch räumlich und auch druckvoll, doch das geht mit den heutigen Tonspuren noch hörbar besser. Es kommt bei diesem Film darauf an, in welchem Kino mit welchem Soundsystem er gezeigt wird. Insgesamt zeigt sich der Film aber gut gealtert.

Eine gelungene Reise in meine (und vielleicht ja auch eure) Kinovergangenheit, voller Nostalgie und Spaß.
Für alle, die den Film noch gar nicht gesehen haben eine dringende Empfehlung, es doch nachzuholen und zu sehen, was schon 1991 möglich war. Auch mit diesem Film wurde Kinogeschichte geschrieben und A. Schwarzenegger erlebte seinen Höhepunkt im Schauspielbusiness.
Dass ich den Film an einem 29. August sehen konnte, ist noch so ein kleiner witziger Nebeneffekt.
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#1190 

Beitrag von Pappok »

MovieMan hat geschrieben: Di 9. Dez 2025, 18:25 Der Ort der schrecklichen Erlebnisse, Freddy Fazbear's Pizza, steht erneut im Mittelpunkt des Geschehens. Die 11jährige Abby sehnt sich nach den Animatronic Figuren, während ihr Bruder Mike ihr die Wahrheit über Freddy, Bonnie, Chica und Foxy vorenthält. So macht sich Abby auf, den Lost Place zu erkunden und setzt eine Kette von furchtbaren Ereignissen in Gang.

Zweiter Teil der Videospielverfilmung und die Kritiken lassen kein gutes Haar an dem Film. Ich selbst kann das schlecht werten. Es scheint nur so zu sein, dass sich der Spaß nur dann entfalten kann, wenn man Kenner der Spiele ist, da erst dann der Wiedererkennungswert überhaupt vorhanden ist.
All denen, die die Spiele nicht gespielt haben wird der Streifen sehr merkwürdig vorkommen, teils langweilig, teils uninspiriert und auch nur mäßig spannend. Trotzdem fühlte ich mich besser unterhalten als mit dem ersten Teil.
Mit dazu beigetragen hat, dass man den Unkundigen zumindest versucht hat, etwas über die Vergangenheit der Familienpizzeria und deren Geheimnis zu erzählen.
Spannung wird einerseits mit den gruseligen Animatronicfiguren erzeugt, die m.E. sagenhaft gut animiert sind und andererseits mit der Ausleuchtung der vorwiegend dunklen Szenen sowie mit Jumpscares, wobei es mich dabei gar nicht gescart hat.
Mir bleibt ein Rätsel, warum der Film mit FSK16 belegt ist, FSK12 wären locker drin gewesen. Es werden schon Handlungen angedeutet, die zumindest einen erheblichen Goreanteil zu bieten hätten, die Kamera zeigt aber davon nix, eben nur Andeutung.

Sehr zufriedenstellend ist die Technik, wie gesagt, die Animation der Figuren fand ich super. Da fast alles im Dunkeln spielt ist die Ausleuchtung positiv hervorzuheben, die Bildanteile saufen nicht ab.

Schauspielerisch sind alle unterfordert und auch Darsteller wie J. Hutcherson und M. Lillard sowie S. Ulrich reißen nix raus. Dafür gibt das Drehbuch einfach nichts her.

Sequel, das eindeutig auf die Gamefans ausgerichtet ist und dem unkundigen Kinogänger merkwürdig vorkommen muss, sodass sich die Unterhaltung nur schwer einstellt.
Ich hatte beim ersten Teil schon den Eindruck, dass die Filme eigentlich stärker von der Vorlage leben als von einer eigenständigen Horrorstory. Beim zweiten scheint sich das dann noch einmal zu verstärken.

Die Animatronics sind für mich allerdings auch der interessanteste Punkt. Wenn die tatsächlich so gut umgesetzt sind, kann ich schon verstehen, dass allein der Anblick für Fans einiges an Atmosphäre erzeugt. Gerade bei solchen Figuren funktioniert praktischer Effekt bzw. gute Animation meiner Meinung nach oft besser als irgendwelches CGI-Gemetzel.
Retro-Fan, Zocker und Gelegenheitsleser. Wenn der Bildschirm ausgeschaltet bleibt, entspanne ich am liebsten auf Royals Sea casino.

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STAATSSCHUTZ

#1191 

Beitrag von MovieMan »

Die junge und noch in Probezeit befindliche Staatsanwältin, die gegen rechtsextreme Gewalttaten ermittelt, wird selbst Opfer eines rassistisch motivierten Anschlags. Während sie zunächst noch professionell handelt, schwindet das Vertrauen in die eigene Behörde und sie führt trotz eines Verbotes eigene Ermittlungen durch. In einem zermürbenden Prozess lernt sie die Grenzen des Rechtsstaates aber auch dessen Möglichkeiten kennen.

Im Nachhinein betrachtet wirkt das Geschehen sehr konstruiert und man ist schnell geneigt zu sagen, dass das Gesehene kaum realistisch ist. Der Film wirft jedoch viele Fragen über den Rechtsstaat auf, sogar sehr viele. Das fängt beim Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit an, geht über Ermittlungs- und Beweisgrenzen und endet bei der Integrität Staatsbediensteter.
Keine dieser Fragen wird auch nur annähernd beantwortet. Das ist eigentlich schon Grund genug, sich den Film gar nicht erst anzusehen.
Mein Eindruck ist jedoch, dass die Beantwortung eines so komplexen Themas in knapp 2 Stunden auch gar nicht gelingen würde. Fraglich ist auch, ob es auf jede Frage eine RICHTIGE Antwort gibt. M.E. dient die Geschichte einzig und allein als Diskussionsgrundlage über den Wert des Rechtstaates, seiner Verankerung in einem demokratischen System, seinen Grenzen und seine Wandelbarkeit im Laufe der Zeit.
Wem das ausreicht, darf sich auf viel Futter für das Gehirn freuen.
Mit einem rechtsextremen Hintergrund hat man auch ein Thema gewählt, welches (leider) aktuell ist und wozu sich auch jeder Bürger eine Meinung bilden kann.

Die Reflexion des Rechtsstaates ist nicht immer angenehm und die individuell gewonnene Erkenntnis vielleicht schon gar nicht.
Trotzdem hält der Film auch ein Plädoyer für den Rechtsstaat, da fraglich ist, ob eine Demokratie ohne diesen wirklich existieren kann.
Die Behauptung, die deutsche Staatsanwaltschaft „sei weltweit die objektivste Behörde“ ist vordergründig sehr provokant. Doch wer sich einmal mit Rechtsprechung (nicht Gesetzgebung!) theoretisch auseinandergesetzt hat, kann vielleicht auch einen Funken Wahrheit entdecken, auch wenn viele Urteile im Gefühl nicht „Im Namen des Volkes“ gesprochen werden – sicherlich auch deshalb, da die Bürger kein Urteil, sondern Gerechtigkeit erwarten, die wie immer nur im Auge des einzelnen Betrachters liegt.

ZDF und ARTE zeichnen sich für die Produktion verantwortlich, sodass der Film sicherlich auch im TV irgendwann gezeigt wird, leider meistens im Nachtprogramm.

Ich fand den Film trotz bestehenden Zweifeln an der Realität spannend, thematisch aktuell und als Denkanstoß sowie Diskussionsgrundlage sehr gut. Wahrscheinlich wird sich nur der rechtsinteressierte Bürger dafür erwärmen.
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OH LA LA 2 - NEUE TESTS, NEUES CHAOS

#1192 

Beitrag von MovieMan »

Trotz der gemeinsamen Turbulenzen um die Abstammung können sich die Familienväter Frederic (C. Clavier) und Gerard (D. Bourdon) nur schwerlich miteinander einlassen, sehr zum Ärger der Kinder, die bald heiraten wollen. Die Situation ist schwer genug und plötzlich sehen sich beide veranlasst, die Abstammungstests zu wiederholen – mit abermals überraschenden Ergebnissen.

Zum besseren Verständnis des Inhalts empfehle ich dringend, sich vorher mit dem ersten Teil der Geschichte, OH LA LA – WER AHNT DENN SOWAS, bekannt zu machen.

Wahrscheinlich war Teil 1 ein so großer Erfolg, dass ein 2. Teil nachgeschoben werden musste. Diese Storyline ist noch konstruierter als beim Original und die Einfälle der Drehbuchautoren halten sich in Grenzen. Letztlich wird 1,5 Stunden lang immer das Gleiche wiedergekäut. Witzige Ideen sind rar gesät. Einige Ideen werden nur angerissen und dann gar nicht mehr weiterverfolgt.
Würden Clavier und Bourdon sich nicht so inbrünstig ihrer Rollen annehmen, wäre schnell Langeweile angesagt. Die exaltierte Darstellung bringt noch etwas Humor in die Sache.
Wobei der Humor immer haarscharf am Rassismus vorbei ist, man könnte auch Böses unterstellen. Dennoch will ich es den Produzenten mal abnehmen, dass es nur um Nationalstolz geht, der hier persifliert dargestellt wird.

Vielleicht verstehe ich hier nur den Humor nicht richtig oder der Film ist inhaltlich so speziell französisch, dass ich den Zugang nicht habe. Aber irgendwie gefiel mir das Original noch ein wenig besser.

Fortsetzung der Komödie, die zum Teil fade bleibt und mit wenig durchdringenden Ideen aufwarten kann, was die Hauptdarsteller nicht komplett zu retten vermögen.
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#1193 

Beitrag von Olli »

Danke @MovieMan
Der erste Teil lief auch im ARD Sommerkino und war in der Mediathek verfügbar.
LOEWE. Connect 55 UHD (SL320) | Sky CI+ mit Sky V15 | Fire TV Stick 4K Max | AVR: Marantz NR1402 | Blu-Ray: Marantz UD 5007 | LS: Heco Victa 5.1 | Fernbedienung: Logitech Harmony Companion | NAS: DS 220+ mit WD40EFZX Red Plus
| Fire TV Stick 4K
LOEWE. Xelos A 42 HD+ 100 DR+ (L2710) | MovieVision DR+ | Fire TV Stick 4k

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NEVER AFTER DARK

#1194 

Beitrag von MovieMan »

Ein Film im Rahmen des Fantasy Filmfestes.

Eine spirituelle Hellseherin wird in ein abgelegenes Landhaus gerufen, um eine Bedrohung zu beseitigen. Tatsächlich treibt ein Geist dort sein Unwesen. Doch das Können der Seherin scheint dem Geist nicht gewachsen zu sein, sodass sie sich in Gefahr begibt.

Japanische Spukgeschichte, die mit einer gruseligen Atmosphäre aufwartet. Wie nicht anders zu erwarten, hat der Film einen starken Bezug zum asiatischen Glauben an das Übersinnliche. Das unterscheidet sich in der Art der Begegnung beider Seiten auffallend von den Mythen über Geister aus der „westlichen“ Welt, wie z.B. in CONJURING dargestellt.

Neben der Geschichte als solcher, sorgt zusätzlich die Inszenierung für Spannung. Der Zuschauer wird manchmal im Ungewissen gelassen, ob eine Szene nun real oder Einbildung/Traum ist.
Ein paar knarzende Türen und Dielenbretter, dunkle Gänge und flackernde Lampen sowie die Geistergestalt als solche verbreiten zwar nicht Angst und Schrecken, der zum Weglaufen animiert, doch einem hier und da einen kleinen Schauer über den Rücken jagt. Dazu bedarf es dann auch kaum irgendwelcher Jumpscares.

Für Freunde des asiatischen Gruselfilms.
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BUDDY

#1195 

Beitrag von MovieMan »

Ein Film im Rahmen des Fantasy Filmfestes.

Das orangefarbene Plüscheinhorn in Menschengröße namens Buddy ist Star einer gleichnamigen TV-Serie für kleine Kinder, in welcher auch kleine Kinder mitwirken. Buddy hat ganz eigene Vorstellungen von gemeinsamen Unternehmungen und duldet so gut wie keinerlei Ausnahmen. Kindern, die sich der Umsetzung gemeinsamer Ideen entziehen wollen, lässt Buddy seine ganz speziellen Erziehungsmethoden zugutekommen.

Wow, dass was man hier zu sehen bekommt, muss man sich auch erst einmal ausdenken. Es fängt harmlos an und steigert sich in einen Exzess, der garantiert nichts für das Publikum einer Kindersendung wie SESAMSTRASSE ist.
Den kleinen Hauptakteuren ist ihre (gespielte) Furcht durchaus abzunehmen. Wie soll man auch reagieren, wenn der beste Fernsehfreund aller Kinder sich plötzlich so gar nicht mehr niedlich verhält? Als erwachsener Kinozuschauer muss man sich schon mehrfach die Augen reiben, ob der Dinge, die da auf der Leinwand abgehen.
Das krasse Missverhältnis zwischen einer Plüschfigur in einer quietschbunten Kulisse und seinem Treiben will das Hirn nicht so auf Anhieb verstehen und es benötigt mehrere Anläufe, bis man merkt, dass mit dem Einhorn nicht zu spaßen ist.

Der Film strapaziert das Nervenkostüm der Zuschauer. Erst klappt einem vor Unglauben die Kinnlade runter, im nächsten Augenblick muss man unwillkürlich lachen, um das Gesehene in einer Übersprungshandlung zu verarbeiten, bevor der nächste Exzess ansteht.

So etwas sieht man nicht alle Tage, aber genau dafür steht ja das Fantasy Filmfest - für pure Unterhaltung.
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ANYMART

#1196 

Beitrag von MovieMan »

Ein Film im Rahmen des Fantasy Filmfestes.

Japan ist zwar das Land der aufgehenden Sonne. Doch das gilt nicht unbedingt für die Angestellten eines Discounters. Chef bleibt Chef und der bestimmt nun mal – und zwar jedes einzelne Wort. Da muss man schon was aushalten können und Nehmerqualitäten beweisen. Das kann aber nicht jeder und für Mitarbeiter, die einen Anflug von Kritik äußern, gibt es ja noch ein paar schlagkräftige Argumente, um sich ihrer Gefolgschaft sicher sein zu können.

Als wäre der japanische (Arbeits)Drill nicht schon Horror genug, wird hier dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Job ist der tägliche Überlebenskampf einer Humanressource. Ich denke, ein Bernd STROMBERG hätte es nicht besser formulieren können.
Die Geschichte ist eine Abrechnung mit der japanischen (teils unmenschlichen) Arbeitskultur.
Und nein, es ist nicht übertrieben, in vielen Fällen gibt man seine Individualität am Garderobenschrank mit ab.
Wohin das führt und welche Zukunft das hat, wird in dieser Story blutig skizziert. Das Land befindet sich in einer Zerreißprobe zwischen Tradition und Neustrukturierung, der Entwicklungsprozess ist zäh bis zum geht nicht mehr.
Das Arbeitsumfeld einer ganzen Nation wird hier heruntergebrochen auf den Mikrokosmos eines Tante-Emma-Ladens. Natürlich ist das übersteigert, aber irgendwie wohl trotzdem nah an der Realität.

Ein Einblick in die japanische Kultur, der einen sprachlos und nachdenklich macht und auf den man gern verzichtet hätte, weniger ein Horrorfilm als eine bitterböse Abrechnung mit der (Konsum)Gesellschaft.
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SPECIES (2026)

#1197 

Beitrag von MovieMan »

Ein Film im Rahmen des Fantasy Filmfestes.

Margot muss in ihrer Ausbildung zur Ärztin durch die Mühlen der strengen Professorin an einem renommierten Krankenhaus. Der Klinikalltag in der Notaufnahme erweist sich als hart und schon bald kommt sie mysteriösen Ereignissen und Krankheitsbildern auf die Schliche, die mit der Behandlung im Krankenhaus zu tun haben könnten und dort verheimlicht werden. Je mehr sie der Sache nachgeht, desto schlechter geht es ihr selbst und desto mehr ist sie eigenen seltsamen Veränderungen unterworfen.

Nach dem Film war ich mir der Deutung des Inhalts gar nicht sicher. Oberflächlich ist es ein Film über Bodyhorror wie THE SUBSTANCE, andererseits aber auch eine knallharte Kritik am Umgang mit dem Arztberuf. Die Veränderung, die die Protagonistin durchläuft, ist zunächst physischer Natur. Oder steht der Film für die Transformation des Menschen in einer gesellschaftlichen Entwicklung? Darüber lässt sich nach dem Film sicherlich sehr streitbar diskutieren.

Während des Films beeindrucken zunächst einmal die schönen handgemachten Effekte der Maskenbildner. Manch Szene ringt einem da schon etwas ab und man würde am liebsten wegsehen, doch dann verpasst man ja die vorzügliche Arbeit des Maskenbildnerteams.
Das bunte, schnelle und strapazierende Treiben in einem Krankenhaus ist indes nicht neu, das gab es auch schon in anderen Filmen sowie unzähligen Arztserien zu bewundern. Gut gemacht ist hingegen der Effekt, dass sich hier alles auf sehr beengtem Raum abspielt, immer wieder der gleiche Gang, die gleichen Zimmer, wie ein Mini-Labyrinth, aus dem es kein Entkommen gibt, denn die Freizeit wird im eigenen, kargen Zimmer nebenan verbracht.

Schon fast klaustrophobischer Medizinthriller mit Bodyhorror-Elementen und sehr schön handgemachten Ekeleffekten, die einem etwas länger im Gedächtnis bleiben. Es bleibt die Hoffnung, dass die Zukunft des Menschen anders (irgendwie besser) aussieht.
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HOKUM

#1198 

Beitrag von MovieMan »

Ein Film im Rahmen des Fantasy Filmfestes.

Schriftsteller Ohm (A. Scott) mietet sich in einem alten Hotel in Irland ein, um die sterblichen Überreste seiner Eltern in einem nahegelegenen Wald beizusetzen. Die Hotelangestellten erzählen ihm von einer Mär über eine Hexe, die in der Honeymoonsuite des Hotels ihr Unwesen treibt, weshalb der Raum auch für immer abgeschlossen und niemanden zugänglich ist. Und gerade das macht doch den Reiz aus, da mal dem Rechten zu sehen, oder?

Ein dunkles Hotel mit geheimnisvollen Zimmern, ein in einer Ausnahmesituation befindlicher Schriftsteller und jede Menge sonderliche Menschen und Gestalten. Das klingt schon fast nach einem filmgewordenen S. King Roman.
Die Atmosphäre hätte man nicht besser schaffen können, alles wirkt richtig unheimlich. Die Szenen in den Zimmern, Fluren und Schächten sind klug ausgeleuchtet, um die Schauermär so richtig voranzutreiben. Der Tanz zwischen Realität und Wahn sowie die notgedrungene Hinwendung zu okkultem Verhalten, lässt weder den Protagonisten noch den Zuschauer zur Ruhe kommen. Nach und nach schaukelt sich das Spukspektakel immer weiter hoch und beinhaltet so manch tragisches Moment.
Es gab genug Szenen, wo sich an meinem Arm die Härchen aufstellten, ob der Spannung, die geboten wurde.
Und doch wirkte der Film, als wäre er irgendwie ohne großen Aufwand entstanden.
Kino in einer Form, die sich auf das Wesentliche reduziert – einfach, aber höchst effektiv.

Mit A. Scott (u.a. SEVERANCE) hat man einen guten Fang gemacht. Er vereinigt in seiner Darstellung von (selbst)mitleidend bis neugierig alle Charaktereigenschaften, die der Figur die nötige Tiefe verleihen. Manchmal hält die Kamera auch inne und es spielt nur die Mimik, ohne dass es tragender Worte bedarf. Den Rest erledigt das Autorenteam.

Merkwürdig reduzierter Grusel mit klassischen Elementen des Horrorfilms, gut gespielt und äußerst effektiv inszeniert.
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VATERLAND

#1199 

Beitrag von MovieMan »

Der in die USA ausgewanderte Schriftsteller Thomas Mann (H. Zischler) und seine Tochter Erika (S. Hüller) kehren ein paar Jahre nach Kriegsende nach Deutschland zurück, damit T. Mann an Feierlichkeiten teilnehmen kann. Das Land, welches sie nun vorfinden, hat nur noch wenig mit dem gemein, welches sie vor Kriegsbeginn verlassen haben. Getrieben von Stolz und von Bangen um sein Vermächtnis droht der Aufenthalt zu einem Kräftemessen zwischen West- und Ostkräften zu werden – der kalte Krieg hat schon begonnen. Auch mit der Familiengeschichte der Manns steht es nicht zum Besten.

Gedreht wurde vollständig in Schwarz/Weiß und auf 35mm Film und im 4:3-Format. Das verleiht bereits im Look eine hervorragende Authentizität. Dazu kommt die Ausstattung mit passenden Bauten, Autos, Kostümen und Frisuren. Da es sich um einen international beachteten Besuch Manns in Deutschland handelt, spricht man neben Deutsch auch Englisch und Französisch. In diesen Szenen müssen die deutschen Kinozuschauer dann mal deutsche Untertitel hinnehmen, wobei zumindest das Englische für Viele wohl keine allzu großen Hürden darstellen dürfte.

Thematisch geht es um die Begriffe „zu Hause“ und „Heimat“, die sich seitens der Familie nicht ganz einfach beantworten lassen. Was ist das, ein „Vaterland“? Diese Frage steht fast unausgesprochen zentral im Raum. Wie wird eine Person von anderen an diesem Begriff gemessen und wie steht man selbst mit seinen Gefühlen zu diesen Begriffen?
Eine direkte Antwort darf man hier nicht erwarten, wohl aber viele Denkanstöße, was den Zuschauern sehr wohl über die recht kurze Filmlänge von 82 Minuten hinweg die Gelegenheit bietet, für sich selbst eine Antwort zu finden.
Das Geschehen ist teilweise Fiktion, da E. Mann deutschen Boden nicht mehr betreten hat.

Während H. Zischler die Figur des Schriftstellers pointiert, aber auch fast reduziert darstellt, hebt sich S. Hüllers Darstellung der Tochter erheblich ab. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Figur der Tochter mehr als Hauptfigur wahrgenommen wird als der Nobelpreisträger selbst. S. Hüller ist derzeit die ultimative Allzweckwaffe des deutschen Films (ok, hier ist es eine multinationale Coproduktion unter polnischer Leitung). Sie kann alles spielen und man klebt förmlich mit den Augen an der Darstellung ihrer Filmfiguren. Möge sie uns noch lange in dieser Qualität erhalten bleiben.
Der Film ist bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt (u.a. auch A. Diehl).

Knackig kurzer Roadtrip einer deutschen Schriftstellerlegende samt Tochter im Gepäck, die das Zepter schwingt, beide auf der Suche nach „Heimat“.
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