Ich war im Kino...

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MovieMan
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HALLOWEEN ENDS

#601 

Beitrag von MovieMan »

...oder das Ende einer Ikone.
1978 erschuf Regiemeister J. Carpenter die Mutter aller kommenden Slasherfilme: HALLOWEEN. Die Geschichte eines mordenden Gestörten (Michael Myers), der nunmehr als das personifizierte Böse über die Leinwand huschte. Es folgten unzählige Fortsetzungen und neue Zeitlinien. Das Franchise verkam zu einer wirren Reihe, wo es schwerfiel überhaupt noch die Übersicht zu behalten. Abgesehen davon war die Figur nicht tot zu kriegen, egal ob man sie mehrfach erschossen, verbrannt oder sonstwas hat, sodass die Teile immer lächerlicher wirkten. Im Jahr 2018 nahm man dann einen ganz neuen Anlauf: Alle bisherigen Nachfolger des 78er Originals sollten ignoriert werden und die Geschichte wurde neu "fortgesetzt". Dann folgte 2021 noch HALLOWEEN KILLS und HALLOWEEN ENDS soll die Reihe beenden und das Schicksal der Figur des Michael Meyers abschließen. Fragt sich nur, wie man eine Ikone des Films wirklich begraben kann.

Aus dem o.g. Unterfangen ist ein perfekter Publikumsspalter geworden. Während einige den Film und seine Konzeption für äußerst gelungen und vor allem mutig halten, sind andere sehr enttäuscht, denn die Erwartung war sicherlich eine andere. Die Geschichte bricht stark mit der bisherigen Erzählstruktur, es fühlt sich alles anders an. Die Figur wird hier ganz anders in Szene gesetzt, als man es bisher gewohnt war, Vieles verlagert sich auf die sozial-gesellschaftliche Ebene, einschließlich einer "Abhandlung" darüber was das pure Böse eigentlich mit einer Gesellschaft macht. Als Fan ist man hin- und hergerissen, ob man das jetzt gut oder schlecht finden soll.
Ich gebe zu, dass ich zunächst auch zu den eher Enttäuschten gehört habe, aber schon auf dem Weg vom Kino nach Hause habe ich mich anders entschieden. Meinethalben hätte man es kaum besser beenden können. Trotz der neuen Konzeption hat der Film alles was es zu einem Slasher und zu einem HALLOWEEN Film benötigt: Das Böse, Spannung (wenn auch sehr langsam entwickelnd), eine fantastische J.L. Curtis, Blut und vor allem ein episches Ende.
Ich denke, Michael wurde gebührend, ja fast emotional verabschiedet. In dem Moment, wo alles vorbei ist, erfasste mich für einen kurzen Augenblick eine emotionale fast endlose Leere, war ich doch gerade Zeuge vom Ende einer DER Horrorfilmikonen geworden, ein würdiges Ende.

Ja, hier wurde alles anders gemacht, die in das Bild schwebenden Kürbisse am Anfang, der Film mit seiner Handlung selbst sowie das neue Arrangement des Halloween-Themas im Score, welches sich mehr denn je in die Ohren des Zuschauers hämmert.
Mit einem weinenden Auge bleibe ich zurück, weil es zu Ende ist...und damit auch ein Stück meiner persönlichen Kinogeschichte.

Ihr vermisst etwas zum Inhalt? Dann geht doch ins Kino und schaut selbst. Meinen Beitrag verfasse ich wie den Film selbst: mal anders!
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TRIANGLE OF SADNESS

#602 

Beitrag von MovieMan »

Das junge Model/Influencerpärchen Carl und Yaya streiten hin und wieder. Dennoch nehmen sie an einer Luxuskreuzfahrt teil, wo die Reichen und Schönen sich ein Stelldichein geben und protzen was das Zeug hält. Doch in diesem so perfekten Leben läuft auch nicht alles nach Plan. Das Captainsdinner gerät zur Farce und dann sind da auch noch die Piraten, die den Luxusliner überfallen. Die Reise endet unerwartet in einer Weise, wo sich die Machtverhältnisse plötzlich fast komplett ins Gegenteil verkehren. Das schöne und sorglose Leben bekommt heftige Risse.

Übersetzt heißt der Filmtitel: Sorgenfalte. Und ja, die Wohlhabenden dieser Gesellschaft haben es wirklich schwer und ein Jeder sollte doch Verständnis für die (Luxus) Probleme der Highsociety aufbringen können, denn Besitz verpflichtet und fordert.
Der Gewinner der Goldenen Palme in Cannes hält mit dieser bitterbösen Farce der Gesellschaft den Spiegel vor. Es wird auch gar nicht erst versucht, das Ganze subtil zu verkaufen. Die Drehbuchschreiber sowie der Regisseur gehen in die Vollen. Die geschaffenen Situationen und Dialoge strotzen vor Bosheit. Von der ersten bis zur letzten Minute ist der Film böse. Die Darstellung gipfelt dann auch in einem Exzess: dem Captainsdinner. Trotz ordentlichem Seegang muss er Champagner noch runtergeschlürft werden, völlig enthemmt wird die Genusssucht zur Schau gestellt, DAS GROßE FRESSEN lässt grüßen. Und die Kamera hält auch erbarmungslos drauf, eine Pause ist weder den Schauspielern noch den Zuschauern vergönnt. In dem von mir besuchten Kino konnte ich aufkeimende verbale Tumulte ob des Geschehens auf der Leinwand erleben. Präsentiert wird eine Gesellschaft nach stark hierarchischem Prinzip. Hoffnung gibt der Film in dem Augenblick als etwas Unerwartetes geschieht und die Grenzen dieses Prinzips gesprengt werden, doch auch diese Hoffnung hat ihren menschlichen Preis. Personen, die sich diesem Treiben entziehen wollen, wie der Kapitain des Luxuslkiners (lustig und toll wie immer: W. Harrelson), erfahren ein ganz besonderes Schicksal.

Die Schauspieler treten hier in den Hintergrund. Im Vordergrund tummeln sich die entsetzlich unsympathischen Charaktere sowie die beißende Gesellschaftskritik.
Mehr Bosheit geht kaum, ein Schlag in das Gesicht unserer Geltungsgesellschaft, faszinierend offen und ehrlich dargebracht.
Ein Tipp für Mutige, die einen stabilen Magen mitbringen.
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BLACK ADAM

#603 

Beitrag von MovieMan »

Ca. 4.500 Jahre vor unserer Zeit in dem Land namens Kahndaq herrscht ein grausamer König, welcher sein Volk versklavt hat, damit dieses nach einem wertvollen Element Eternium gräbt, nur um eine geheimnisvolle Krone daraus zu schmieden. Doch aus der Mitte des Volkes erhebt sich ein Befreier. Im Heute wird der Staat von Söldnern kontrolliert, die ebenso wie eine Wissenschaftlerin auf der Suche nach der Krone sind. Auf der Jagd nach dem Artefakt beschwört die Wissenschaftlerin Adrianna einen Zauber, der den "schlafenden" Teth-Adam (D. Johnson) erweckt. Dieser ist miesgelaunt, hat Superkräfte und weigert sich, ein Held zu sein. Um ihn in Zaum zu halten, wird die Justice Society of America, bestehend aus den Superhelden Hawkman, Doctor Fate (P. Brosnan), Cyclone und Atom Smasher, aktiviert. Alle machen sich auf den Weg nach Kahndaq, um auf Teth Adam aufzupassen und die Krone in Sicherheit zu wissen.

DC haut jetzt auch einen Film nach dem anderen raus und befindet sich auf den Spuren Marvels. Das muss nicht immer von Qualität sein. Hier haben wir einen Film, der wirr konzipiert ist und sich in immer neuen Ideen, die aber nur angerissen werden, verliert. Als Zuschauer muss man konzentriert bleiben, um zu folgen und die Logik erschließt sich auch nicht immer bzw. teils noch weniger als in anderen Filmen dieser Gattung. Völlig ungeniert wird auch noch bei anderen abgekupfert, so ist die Eingangssequenz, wo der "historische" Hintergrund des Treibens von Kahndaq erläuert wird, grafisch wie 300 gehalten, einschließlich der Slowmo-Szenen. Wenn es denn auch die Qualität von 300 hätte, wäre ja gut. Hat es aber nicht. Der Rest ist ein Avengers/Justice League-Gemisch mit Anleihen aus X-Men, verpackt in eine mäßige Story. "The Rock" muss hier einen bierernsten Charakter miemen, was ihm kaum gelingt, denn die Drehbuchschreiber drängen ihm Anflüge von Humor auf. Das passt nicht so ganz zum Inhalt und der Humor ist eher peinlich und zündet nicht. Das wurde beim jüngsten THOR ganz anders gelöst. Da hat man sich bewusst für einen starken komödiantischen Einschlag entschieden. Die menschliche Entwicklung in BLACK ADAM nimmt man der Figur nicht so richtig ab.

Ansonsten gibt es viel Action und auch ein passendes CGI-Gewitter. Trotz Einsatzes zahlreicher SFX-Schmieden sind die visuellen Effekte deutlich hinter den heutigen Möglichkeiten. Einige Szenen wirken wie aus einer Zwischensequenz eines Videospiels. Da war wohl das Budget alle.
Letztendlich herrscht auf allen Ebenen Mittelmäßigkeit und es wird viel Potential verschenkt. Das ist schade, da ich das DC-Universum für ebenso stark halte wie das Marvel-Universum. Wenn sich DC genauso etablieren möchte, muss eine Schippe draufgelegt werden.

Die beste und vielleicht verheißungsvollste Szene wird in der Middle-Credit Scene dargeboten. Da wird in ein paar Sekunden gezeigt, wie ein Figur eine unglaubliche Präsenz auf die Leinwand zaubern kann. Das war dann auch die beste Szene des ganzen Films, also sitzenbleiben und nicht gleich rausrennen.

Leider ein sehr holperiger, ja eigentlich verpatzter Start von D. Johnson in das Superheldengenre. Schade, schade, schade.
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DER NACHNAME

#604 

Beitrag von MovieMan »

Sequel zum Film DER VORNAME. Die Protagonisten sind bei Dorothea, Mutter von Elisabeth und Thomas, nach Lanzarote eingeladen. Dort soll dem ganzen Tross eine Neuigkeit offenbart werden. Leider schleppen die Familienparteien nicht nur ihr Urlaubsgepäck mit, sondern auch ihre Probleme. Es dauert dann auch nicht mehr lange, bis Streit aufkeimt und alte Fehden wieder zur Tagespolitik gemacht werden. Ein Wort gibt das andere und ab geht´s - jeder gegen jeden.

Die Schaupieler des o.g. ersten Teils (C.M. Herbst, F.D. Fitz, C. Peters, J. von Dohnanyi und J. Uhse) sind komplett wieder mit von der Partie, ergänzt durch I. Berben als "Über"Mutter Dorothea. Diese Truppe ist genauso schlagkräftig wie in DER VORNAME und wird durch den Charakter der Mutter, die so ganz ihre eigenen Ansichten hat, wunderbar ergänzt. Das Ensemble harmoniert einzigartig und lässt an der Spielfreude zu keiner Zeit Zweifel aufkommen.

Die Dialoge sind wieder sehr gut ausgearbeitet, dennoch fehlt im Gegensatz zum ersten Teil der letzte Tropfen Bissigkeit. Es ist auch nicht mehr ganz so pointiert, doch immer noch auf hohem Niveau.
Wer Spaß an Komödien mit bissigem Witz (wie auch DER GOTT DES GEMETZELS) und wem der Vorgängerfilm gut gefallen hat, kann bedenkenlos zugreifen.
Und wer Familientreffen nicht mag und noch eine "Anleitung" benötigt, wie man sich diesen Treffen in Zukunft entziehen bzw. das nächste zum letzten Treffen machen kann, der liegt hier goldrichtig.
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THE SOCIAL EXPERIMENT

#605 

Beitrag von MovieMan »

Der jugendliche Adrian nimmt mit seinen besten Freunden an einem Escape-Room Game teil, so denken sie zumindest. Gelandet sind sie allerdings in einem Experiment, in dem einer KI der Spielablauf überlassen wird. Mit dem Experiment soll bewiesen werden, dass sich jede sozial feste Gruppe "sprengen" lässt und sich das soziale Wirken untereinander mit einem Algorithmus aufheben lässt. Die Hinterleute in der Steuerzentrale lassen ihre programmierte KI nun auf die Gruppe um Adrian los. Diese kommt zunehmend in reale Gefahr.

Deutsche Variante von ESCAPE ROOM, erweitert um Kritik an künstlicher Intelligenz im social Media Bereich.
Leider wird dieses vielversprechende Szenario durch das schlechteste Drehbuch seit langer Zeit zugrunde gerichtet. Die Interaktion der Einzelnen innerhalb der Gruppe ist teilweise unlogisch und nicht nachvollziehbar, ebenso bei den Verantwortlichen im Steuerungsraum des Games. Eben noch verhält sich eine Figur in bestimmter (noch nachvollziehbarer) Weise um Sekunden später ohne glaubwürdige Erklärung in das Gegenteil zu verfallen. Dadurch sind die Figuren nicht glaubhaft und die Schauspieler können der Figur keine wirkliche Tiefe verleihen.
Die Schauspieler können auch nicht wirklich schauspielern. Ich weiß nicht, ob man die Personen von der Straße gecastet hat oder es blutigste Anfänger sind.
Alles wirkt so, als wolle jeder mit Macht und merkbar demonstrieren, dass er/sie schaupielern kann - also genau das Gegenteil von gutem Schauspiel.
Overacting und das Ausplappern auswendig gelernten Dialogs ist noch kein Schauspiel. Das Ganze hat eine Wirkung wie eine amateurhafte Schulaufführung von Neuntklässlern.

Technisch ist hier mal etwas für deutsche Verhältnisse Neues zum Einsatz gekommen. Statt Green-Screen bedient man sich einem LED-Screen, der schon in der Aufnahme das spätere Bild darstellt. Diese Technik wird beispielsweise auch in den neuen Serienformaten von STAR WARS wie z.B. THE MANDALORIAN, etc. eingesetzt, doch bei Disney hat man wohl viel mehr Rechenpower.
In diesem Film hebt sich der künstlich geschaffene Hintergrund sehr deutlich von der realen Szene ab, teils deutlich störend. Das erinnerte mich an die Filme der 50er Jahre, als mit riesen Matte-Paintings für die Hintergründe agiert wurde. Das sah ähnlich künstlich aus.

Nein, dieses Experiment ist fehlgeschlagen, was angesichts des vielsagenden Plots sehr schade ist.
Mäßig spannender Thriller mit überdeutlichen Schwächen im Dialog und der Technik sowie ganz schwachen Schauspielern.
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SEE HOW THEY RUN

#606 

Beitrag von MovieMan »

Mitte der 50er wird im Londoner Westend Agatha Christies Krimistück DIE MAUSEFALLE im Theater aufgeführt. Hinter den Theaterkulissen laufen bereits die Vorbereitungen zur Verfilmung des Stückes. Anwesend sind u.a. sowohl Filmregisseur (A. Brody) samt Drehbuchautor und Produzent. Dummerweise wird die Fortführung des Bühnenstücks durch einen tatsächlichen Mord unterbrochen. Inspektor Stoppard (S. Rockwell) wird zusammen mit der neuen und gewissenhaften Constable Stalker (S. Ronan) beauftragt, den Mörder sowie die Hintergründe der Tat ausfindig zu machen. Und so stolpert das ungleiche Ermittlerduo durch den Fall auf der Suche nach der Lösung.

Konzipiert ist diese Krimikomödie als Krimi mit zusätzlichem Krimi (dem Bühnenstück) als Hintergrund. Und was sich die Autoren da haben einfallen lassen, ist allererste Sahne. Immer wieder greift die reale Handlung Sachverhalte aus dem real existierenden (sehr erfolgreichen) Bühnenstücks auf. Die Charaktere sind klischeehaft besetzt und doch allerliebst. Jeder Figur kann man sofort bestimmte Charakterzüge zuordnen. Und wie bei Agatha Christies Geschichten ähneln sich die Charakterzüge der Ermittler ihren Bühnenfiguren.
Das Ensemble legt eine Spielfreude an den Tag, dass man wirklich den Wortteil "Freude" betonen muss. Aus dem gutbesetzten Cast stechen A. Brody als eingebildeter Regisseur, S. Rockwell als Inspektor, der teils an eine versoffene Version eines COLUMBO erinnert sowie S. Ronan als überkorrekte Constable deutlich in positiver Weise hervor.
Als Gag hat man sich auch noch entschlossen, die Figur des Regisseurs dazu zu nutzen, das Treiben immer wieder als Voice-Over zu kommentieren, was der ganzen Angelegenheit noch einen besonderen Touch verleiht.
Die Dialoge sind ausgefeilt und höchst pointiert, sodass dem Zuschauer gerade in den komödiantischen Momenten des Films höchstes Vergügen bereitet wird.

Genutzt hat man den Lockdown, sodass man an Originlaplätzen drehen konnte. Neben den tollen Kostümen und Frisuren sowie der weiteren Ausstattung fühlt man sich tatsächlich in das London der 50er zurückversetzt.

Mit diesem Film trifft man den momentanen Zeitgeit der wiederaufkeimenden "Whodunit"-Krimis, wie zuletzt auch in KNIVES OUT, von dem übrigens bald ein nächster Teil ansteht.

Viel besser kann man eine Krimikomödie nicht präsentieren und wenn man dann noch eine so ausgefeilte Konstruktion schafft wie hier, dann ist das allemal einen Gang ins Kino wert. Unbedingte Empfehlung an alle Krimifans.
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RHEINGOLD

#607 

Beitrag von MovieMan »

Giwar Hajabi, später aka XATAR, ist kurdischer Flüchtling und Sohn eines angesehenen Musikkomponisten. Zu früher Kindheit Giwars musste die ganze Familie aus politisch/religiösen Gründen über ein Gfängnis im Irak flüchten und ist über Umwege dann in Deutschland gelandet. Dort muss sich Giwar ganz von unten nach oben kämpfen. Dabei verliert er sich in einem Leben voller Gewalt und Drogen sowie einem Goldraub, bis er wieder in einem irakischen Gefängnis landet und später an Deutschland ausgeliefert wird. In der Musik (Gangsta-Rap) entdeckt er seine Bestimmung.

Biografischer Film eines Gangsta-Rappers, der vom Starregisseur Fatih Akin eindrucksvoll in Szene gesetzt wurde.
Ich war mir sehr uneins, ob ich mir den Film überhaupt ansehe, habe mich aufgrund mit des Arbeit betrauten Regisseurs dann doch dazu entschlossen und muss sagen, dass ich ganz andere Erwartungen an den Film hatte. Ich hatte erwartet, dass die musikalische Geschichte von Xatar den höchsten Anteil des weit über zwei Stunden andauernden Films ausmacht. Davor hatte ich etwas Bammel, weil ich mit dieser Musik doch sehr wenig anfangen kann und in diesem Genre auch so gar nicht bewandert bin. So ist der Film aber nicht.

Es wird tatsächlich die Geschichte von Xatar über seine Flucht, seine kriminelle Vergangenheit sowie seine "Läuterung" erzählt. Die Musik ist zwar allgegenwärtig, steht aber nicht absolut im Mittelpunkt. Die Erzählweise der Geschichte hat auf mich auffallend emotionslos, ja fast schon dokumentarisch, gewirkt. In der Handlung kommt viel Gewalt vor. Diese wird aber nicht rechtfertigend oder glorifizierend dargestellt. Vielmehr wird gezeigt, dass diese Art von Leben Konsequenzen haben kann und muss. Dennoch verbleibt ein übler (da realistischer) Nachgeschmack, denn diese Art der Gewalt in unserer Gesellschaft ist weiterhin allgegenwärtig und lässt sich weder schönreden noch wegdiskutieren, auch wenn sich Einzelne aus dieser Situation "befreien" können
F. Akin richtet nicht, er zeigt auf und nimmt die Position eines Beobachters ein. Die Wirkung und Wertung überlässt er dem Publikum. Hätte er Partei ergriffen oder die Taten Xatars rechtfertigen wollen, wäre der Film mehr als kontrovers und man könne Gewaltverherrlichung unterstellen. So aber bleibt es "nur" ein Biopic.

Doch recht spannendes und ausgewogen verfilmtes Biopic über eine interessante Figur vor dem Hintergrund der Gangsta-Rap Szene.
Das kann man sich sehr gut ansehen, auch wenn man nicht Fan dieser Musikrichtung ist.
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BODIES BODIES BODIES

#608 

Beitrag von MovieMan »

Sieben Freunde treffen sich in einer Millionärsvilla zum Feiern. Neben Saufen und Koksen spielt man zum Zeitvertreib noch ein Mörderspiel, welches den Namen des Films bildet. Jeder zieht verdeckt einen Zettel, die Person, die den Zettel mit "X" gezogen hat , ist Mörder, das Licht wird ausgemacht und der Mörder muss eine andere Person "anticken", die dann "gestorben" ist. Nach Auffinden der "Leiche" wird das LIcht wieder angemacht und das heitere Raten beginnt. Gesagt, gespielt und die erste echte Leiche lässt nicht lange auf sich warten. Jeder verdächtigt Jeden und als sich die Leichen häufen, macht sich nackte Panik breit. Das Haus kann aufgrund eines draußen tobenden Hurricans nicht verlassen werden und wie immer funktioniert der Strom sowie das Handynetz nicht. Pech für die noch Lebenden.

Getreu dem Prinzip "10 kleine Opferlein" rafft es hier den Einen oder die Andere dahin. Zwischendurch ergehen sich die Protagonisten in ihrem Gehabe und aller Kram, der einem schon so lange auf der Seele lastete, wird der anderen (verhassten) Person ins Gesicht geblasen, ohne Rücksicht auf Verluste (ja, fast wortwörtlich). Aufgezeigt wird das Abbild einer verwöhnten jungen Generation und deren Unfähigkeit zum gesunden Diskurs. Das eigene Problem ist immer das Wichtigste und die Anderen sind sowieso selbst Schuld an ihrem Schicksal. Hauptsache, aus der zur eigen gewordenen Ich-Bezogenzeit kann maximalster Profit geschlagen werden.
Hier wird neben der Krimihandlung das Gesellschaftsbild der Generation Z brachial an den Pranger gestellt. Ich denke, es gibt sogar einige Zuschauer, die finden das sogar noch normal und nachvollziehbar. Selbstverständlich ist das Gezeigte überzogen und stark auf die us-amerikanische Gesellschaft abgestellt, doch Anleihen lassen sich (leider) auch bei uns in Deutschland bereits beobachten.

Das Ganze ist in einen mittel-spannenden Rahmen gepackt worden und die Auflösung wird nicht Jedem gefallen, ich selbst fand diese sogar schon fast lustig.

Schauspielerisch wird auf unterem Mittelklasseniveau agiert, mit viel Geschrei und Gezeter. Aber was will man von versoffenen und zugekoksten Personen auch schon erwarten?
Letztlich eine SEE HOW THEY RUN Umsetzung für die Generation Z.
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AMSTERDAM

#609 

Beitrag von MovieMan »

Die Soldaten Burt (C. Bale) und Harold (J.D. Washington) schmieden gemeinsam mit der Lazarettschwester Valerie (M. Robbie) zur Zeit des ersten Weltkrieges einen Pakt, fortan gemeinsam durch das Leben zu gehen. Burt versucht sich nach dem Krieg als Arzt, insbesondere den Veteranen und deren körperliche Wiederherstellung zu widmen. Als ein Vertrauter aus Kriegstagen stirbt, erforschen zunächst Burt und Harold den Hintergrund des Todes, wobei sie kurze Zeit später selbst zu Verdächtigen werden. Die Hintergründe der aufzudeckenden Machenschafften und Hintermänner führen immer zu neuen Spuren, die verfolgt werden müssen, wobei auch so manche Sackgasse durchschritten werden muss, bis am Ende Alles offengelegt ist. Die Drei haben zunächst zumindest die Dimension der wirklichen Umstände erheblich unterschätzt, sodass sie sich immer selbts erneut in eigene Gefahr bringen.

Hollywoodstargespickter Streifen, der sehr locker auf realen Ereignissen in den USA Anfang/Mitte der 30er Jahre basiert. Was zunächst als teilweise humorige Mördersuche krimimäßig beginnt, entwickelt Dimensionen, die es in sich haben. Das Traurige dabei ist, dass man große Teile der Handlung sowie der aufgezeigten Beweggründe durchaus auf die heutige Situation der USA und manch anderen Staat übertragen kann.

Mir hat der Film sehr gut gefallen und ich fühlte mich gut unterhalten. Die häufigen negativen Kritiken kann ich in deren Gänze und Ausmaß nicht teilen.
Der Inhalt war immer wieder spannend und mit dem eingearbeiteten Humor befand ich mich größtenteils auf einer Wellenlänge. Außerdem ist es ein Hollywoodfilm, an dem ich nicht die Kriterien einer ernsthaften Geschichtsdoku anlegen kann und will.

C. Bale sticht neben M. Robbie so dermaßen aus dem Cast hervor, dass es ein/e R. Malek, M. Myers, A. Tayler-Joy und sogar ein R. De Niro schwer haben, wahrgenommen zu werden. Bale präsentiert sich abermals als Vollblutschauspieler und Robbie steht ihm fast in nichts nach. Dabei muss man gestehen, dass Bale auch den Hauptteil der Leinwandpräsenz abbekommen hat. Gefallen hat mir De Niro, der zwar nur eine Nebenrolle spielt, aber den Schluss des Films mit dem Wirken seiner Figur maßgeblich beeinträchtigt. Man kann angesichts seiner letzten meist "komödiantischen" Rollen vergessen haben, welch begnadeter Schauspieler er ist. In manchen Szenen reichte mir eine Blick, um seine Gedanken zu erraten, Worte hätte es meist gar nicht bedurft. Ich denke, ihm war seine Rolle als politisch engagierter Schauspieler hier ganz recht.

Außerdem muss ich die Aussattung erwähnen, die Bauten, das Umfeld, etc. lässt den Zuschauer wirklich in die Vergangenheit zurückreisen. Dazu die Frisuren sowie Kostüme, alles im Rahmen einer Großproduktion. Auch die Maskenbildner durften sich austoben. Durch die Kriegsthematik wurden Wunden, etc. hervorragend dargestellt und ausgearbeitet.
Der ins gelblich tendierende Farbfilter, mit dem der Film bearbeitet wurde, ist sicherlich Geschmackssache, ist aber dem Look eines Films, der in der Vergangenheit spielt, dennoch angemessen, wenn auch meines Erachtens in der Ausprägung hier und da etwas zu stark.

Für mich gelungene Unterhaltung mit einem tollen Cast, kein absolutes Meisterwerk, aber auch bei Weitem nicht so schlecht, wie der Film in vielen Kritiken gemacht wird.
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THE DEVIL´S LIGHT

#610 

Beitrag von MovieMan »

Die junge Ordensschwester Ann wird durch traumatische Ereignisse ihrer Kindheit schwer geplagt und hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich um vom Teufel Besessene liebevoll zu kümmern. Als Frau darf sie an den Exorzismus-Riten nicht teilhaben, gewinnt aber einen Führsprecher aus den Reihen der Priester, der ihr eine Teilnahme "light" in den Schulungen der angehenden Exorzisten ermöglicht. Im Kampf gegen den Teufel versucht sie auch ihre eigenen Dämonen loszuwerden und überschreitet ein ums andere Mal die ihr gegebenen Kompetenzen. Dadurch begibt sie sich wiederholt in Gefahr.

DER EXORZIST aus den 70ern gilt als Mutterfilm aller späteren Streifen, die sich diesem Thema widmen. Seinerzeit verfügte der Film über beeindruckende Masken und Bodyeffekte, die dem Film einen Großteil des (berechtigten) Ruhms verliehen.
Diese Effekte werden hier auf das gegenwärtige Maß gebracht, die Masken sowie die Bodyeffekte sind sauber uns zielsicher herausgearbeitet und verfehlen die Wirkung nicht. Das ist Masken- und Tricktechnik auf wirlich sehr hohem Niveau und macht einen besonderen Reiz des Films aus.
Inhaltlich ist der Film eigentlich nur Horror der Sorte 08/15, wie er schon so oft präsentiert wird. Die erwähnten Effekte sowie der für solche Produktionen leicht überdurchschnittliche Cast, machen den Film dann auch zu einem leicht überdurchschnittlichen Vergnügen. Während viele Produktionen vom Niveau her nur als durchschnittliche TV-Produktion durchgehen können, ist dieser Film doch mehr für die Leinwand, wobei mir SMILE neulich noch ein wenig besser gefallen hat, wie immer Geschmackssache.
Wohltuend hält man sich mit Jumpscares einigermaßen zurück und versucht, den Grusel durch die Geschichte wirken zu lassen. Das gelingt leider nicht in dem Maße wie bei DER EXORZIST.
Hätte man den Charakteren noch mehr Tiefe verliehen, wäre das Ergebnis noch positiver zu beurteilen. Diese fehlende Tiefe ist vielleicht der größte Schwachpunkt des Films.
Gruselig ist er allemal, doch von einem absoluten Horrorschocker, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt, weit entfernt.

Dennoch, wer mit religiös angehauchten Gruselern etwas anfangen kann, sollte hier mal eine kleine Gänsehaut riskieren. Es lohnt schon aufgrund der tollen Effekte.
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BLACK PANTHER: WAKANDA FOREVER

#611 

Beitrag von MovieMan »

Wie führt man einen Film in einem 2. Teil weiter, dessen Hauptdarsteller verstorben ist?
Nach dem Tod von Hautdarsteller Chadwick Boseman, dessen Figur und schauspielerische Leistung den Film BLACK PANTHER maßgeblich geprägt hat, hatte Marvel ein riesiges Problem. Wie kann man Boseman ersetzen bzw. die Geschichte des BLACK PANTHERs weiterführen? Glücklicherweise hat man erst gar nicht versucht, einen neuen Darsteller für die Figur zu installieren. Das Ergebnis könnte nämlich derart gruselig rüberkommen und den ganzen Film platzen lassen, fast so geschehen bei PHANTASTISCHE TIERWESEN 3 durch den Wechsel von Johnny Depp hin zu Mads Mikkelsen. Um Derartiges zu vermeiden, hat man den Tod von Boseman gleich mit in die Geschichte eingebaut.

Das Königreich Wakanda betrauert den Verlust ihres Königs. In diese Trauerphase wird Wakanda von den führenden Weltmächten bedrängt, die auf den Abbau eines seltenen Elementes – Vibranium – hoffen, um sich damit einen (vor allem militärischen) Vorteil zu verschaffen. Die neue Königin Wakandas hält dagegen…bis ein neuer Feind am Horizont auftaucht und den Wakandianern nicht die Vormachtstellung überlassen sowie gegen das Landvolk in den Krieg ziehen will. Und dieser Feind ist mindestens kräftemäßig ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen. Das führt zur heftigen Auseinandersetzung zwischen den beiden Völkern.

Während man zu großen Teilen den Film als Aufarbeitung des Todes von König T´Challa (C. Boseman) konzipiert hat, wird die Geschichte Wakandas weitergesponnen. Die Figur des BLACK PANTHER rückt dabei zunächst in den Hintergrund. Man konzentriert sich auf die Fehde von zwei Völkern, sodass die althergebrachte Staatengemeinschaft der Erde auch nur eine Nebenrolle spielt. Geschickt hat man visuell und erzählerisch Referenzen und Widmungen an C. Boseman in den Film eingebaut. Andererseits hemmt das aber die Story, da die Handlung um die Trauerverarbeitung doch gehörig Raum einnimmt. So nimmt man weniger einen typischen Marvelfilm wahr als eine Abschiedsvorstellung und Referenz an den einstigen Darsteller. Ähnlich war es beim letzten JAMES BOND, der auch „nur“ ein Abschiedsfilm für D. Craig war. So richtig Marvelstimmung kommt da nicht auf.
Ich denke, diese Konzeption wird zu heftigen Diskussionen im Publikum führen.

Auch handwerklich fand ich den Film teilweise nicht gelungen. So wirkt die Nebenstory zur Figur des Everett K. Ross (M. Freeman) im wahrsten Sinne des Wortes nebensächlich bzw. eigentlich überflüssig. Sargträgerinnen können in entspannter Körperhaltung den schweren Sarg des verstorbenen Königs tragen (wenn ich mal bedenke, wie die Sargträger bei der Queen wuchten mussten) und eine Person kann sich einen Speer aus dem Leib ziehen, ohne dass dieser überhaupt eine Spur von Blut aufweist. Das fällt eben einfach auf und ist unglaubwürdig und ärgerlich, da vermeidbar.

Technisch ist der Film nur fast auf Höhe der Zeit. Die zahlreichen Firmen der visuellen Effekte (bei 20 habe ich aufgehört mitzuzählen) setzen die Optik gut um, der 3D-Effekt war gut, aber nicht überragend. Die Bildschärfe war gerade bei den Nahaufnahmen sehr hoch, zumindest in der Bildmitte. Manch Hintergrund sah etwas künstlich aus, aber nur wenn man sehr darauf achtet. Ansonsten sieht der Zuschauer sehr viele Details und afrikatypisch bunte Farben. Typisch Marvel hapert es etwas an der Tondynamik und Räumlichkeit.

Auffällig war der Score, der von Ludwig Göransson (u.a. THE MANDALORIAN) verantwortet wird. Eine Wucht wie bei John Williams mit der Experimentierfreudigkeit eines Hans Zimmer bei Einarbeitung afrikanischer Klänge, gewöhnungsbedürftig und doch schön. Schon dafür lohnt das Sitzenbleiben im Abspann.

Dieser Teil enthält überraschend wenig BLACK PANTHER selbst, eher ein Film über die Figur bzw. das Betrauern eines Verlustes, in der Wirkung anders als Marvelfilme überhaupt und speziell als der erste Teil.
Mir hat C. Boseman mit seiner Darstellung des Hauptcharakters doch sehr gefehlt.
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MRS. HARRIS UND EIN KLEID VON DIOR

#612 

Beitrag von MovieMan »

Die Witwe Mrs. Harris verdient im London der 50er Jahre ihren spärlichen Unterhalt als Putzfrau. Bei einer Kundin verliebt sie sich unsterblich in ein Kleid von Dior und ist fortan davon beseelt, sich selbst so ein Kleid zuzulegen, egal was es kostet. Unentwegt hält sie an diesem Traum fest und richtet ihr Leben danach aus. Eine glückliche Fügung ermöglicht ihr, den Weg zu Dior nach Paris anzutreten, um ein solches Kleid zu erwerben. Mit ihrer erfrischenden und direkten liebenswerten Art sowie mit ihrem Auftreten bei den "Oberen" passt sie so gar nicht in die Welt des Luxuslabels. Und doch kann sie ein paar Personen mit ihrer Beharrlichkeit für sich gewinnen und ihren Traum weiter verfolgen.

Fast märchenhafte Story mit Aschenputteltouch, ganz bezaubernd von der Hauptdarstellerin (L. Manville) verkörpert. Als Gegenpart hat man ihr I. Huppert zur Seite gestellt, die die snobistische und grantelige Vorzimmerdame im Hause Dior verkörpert. Größer könnte der Unterschied im Auftritt und Wirken nicht sein. Aus aber eben dieser Tatsache zieht der Film seinen Charme und seine Wirkung. Die Identifikation mit den Wünschen der Protagonistin gelingt leicht, da jeder von uns bestimmte Wünsche hegt, die ggf. nicht gerade in unmittelbarer Reichweite der Erfüllung liegen.
Die Kostüme sind selbstredend eine Wucht und auch der Look des London und Paris der 50er wird stilecht vermittelt.
Zudem wird noch etwas Geschichte über das Haus Dior eingebaut, die aber etwas ungenau und dem Film dramaturgisch angepasst ist.

Als Zuschauer sollte man sich einfach fallenlassen und in dieses Märchen hineinträumen. Zur Belohnung winkt Wohlfühlkino zur kalten Jahreszeit und ein Traum von einem besseren Leben auch unter nicht so prickelnden Umständen, kurz: Die tatsächlich vorhandene Möglichkeit, sich seinen Traum zu erfüllen, wenn man denn nur fest daran glaubt.
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EINFACH MAL WAS SCHÖNES

#613 

Beitrag von MovieMan »

Karlas (K. Herfurth) kinderloses Leben ist chaotisch. Bei ihr tickt die biologische Uhr, mit einem passenden Mann will es nicht klappen. Trotzdem der Rest ihrer Familie, in Person ihrer überarbeiteten Schwester (N. Tschirner), ihrer aufgeregten lesbischen jüngeren Schwester (M. Tscharntke) sowie ihre geschiedenen Eltern (U. Kriener - als alkohlkranke Mutter und H. Knaup als neuverheirateter Vater) alle Warnsignale aussenden, dass ein Leben mit Kindern nicht unbedingt leichter wird und sich einfach nur alte Probleme mit neuen ablösen, beschließt sie, sich der Samenbank zu bedienen, um an ein Kind zu kommen. Dummerweise tritt in genau dieser Phase der junge Ole in Leben und macht Alles noch komplizierter. Wie gut, dass man eine beste Freundin hat, die um gute Ratschläge nicht verlegen ist. Doch auch diese verzweifelt zunehmend an Karlas Stimmungsschwankungen. Mit "einem" Wort: Perfektes Chaos!

Die 2. Regiearbeit von K. Herfuhrt nach WUNDERSCHÖN thematisiert den sozialen Druck der Frauen in ihren Rollen als Mutter, Freundin, Ehefrau und Berufstätige. Dargebracht wird es zu großen Teilen als Komödie. Das würde angesichts der ja im Grundton doch ernsten Thematik auch kaum anders verträglich sein.
Auffällig ist, dass sich der Gesamtcast der Geschichte unterordnet. Kaum eine Figur sticht heraus, außer U. Kriener, die als Mutter geradezu ein Feuerwerk auf der Leinwand abbrennt, sich dennoch aber auch damit nahtlos in die Geschichte einfügt. Selbst eine N. Tschirner, die streckenweise gern mal durch ihre extrovertierte Art, den Alleinunterhaltungspart übernimmt, hält sich zu Gunster der anderen Darsteller angenehm zurück. Erreicht wird dieses Kunststück durch ein sehr ausgewogenes Drehbuch, welches jedem Charakter seine Freiheiten einräumt und den Charakter doch so fest am Zügel hält, dass er nicht aus dem Rahmen fällt. Wenn dazu die Regie stimmig ist, hat man eine höchst unterhaltsame Geschichte trotz kritischen Untertons.
Ja, die Figuren sind vielleicht sehr stilisiert (super auch M. Tscharntke als ständig heulende und hyperventilierende Schwester), wissen aber zu wirken und zu überzeugen.

K. Herfuhrt schickt sich an, sich neben ihrer Schauspielerei als ernstzunehmende Regisseurin zu etablieren, mit Filmen, die Spaß machen.
Sie könnte mit ihrer filmerischen Art, dem Quoten- und Zotenkönig Til Schweiger den Rang ablaufen, wenn sie das Gefühl für intelligente Geschichten und ausgewogene Regie nicht verliert und sich nicht von Zuschauerzahlen beeindrucken lässt.
Auf den (hoffentlich) nächsten Film von/mit ihr freue ich mich schon. Auch wenn die Männer manchmal vielleicht etwas weniger zu lachen haben. Da stehen wir doch drüber, oder?
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THE MENU

#614 

Beitrag von MovieMan »

12 Personen (das Paar Margot und Tyler, Stammgäste, Filmstar, Geschäftspartner) machen sich auf den Weg auf die kleine Insel Hawthorne, um sich nach Zahlung eines aberwitzigen Preises, in einem extraordinären Restaturant verköstigen zu lassen - Essen als Gesamterlebnis, als Event. Geleitet wird das Amusement vom sehr speziellen Küchenchef Slowik (R. Fiennes), der so seine ganz eigene Art hat, mit Personal und Gästen Umgang zu pflegen. Jeder Gang des Menues wird mit einer persönlichen Geschichte eingeleitet, die irgendwann weit über Essen und Genuss hinausgeht. Die teils völlig verzückte Gesellschaft ahnt nicht, welch perfiedes Spiel der Starkoch treibt und welche Rolle sie im Laufe des Abends und Mahls noch einnehmen werden. Margot beginnt, die Situation zu hinterfragen und das sorgt für Unruhe im geordneten Ablauf des Starkoches.

Thriller mit Horrorelementen, bei dem kontinuierlich die Spannungszwinge angedreht wird. Die Zuschauer werden durch geschickt eingebaute neue Ereignisse immer wieder auf andere Fährten gebracht. Gerade wenn man sich einigermaßen wieder auf den Handlungsbogen eingestellt hat, wird eine neue Stufe der Unberechenbarkeit gezündet. So mancher Schockmoment muss verdaut werden und auch ganz unblutig geht es nicht zur Sache.

Neben der gelungen konstruierten Story, die bis auf eine kleine Logiklücke, kaum zu bekritteln ist, glänzt R. Fiennes als diabolischer Starkoch, der es durchaus mit einem Hannibal Lecter aufnehmen könnte. Seine Darstellung des getriebenen Maitre setzt dem Film(genuss) seinen Stempel auf. In dieser Rolle finde ich ihn noch besser als in HARRY POTTER als Voldemort. Wenn er in die Hände klatscht, um den nächsten Gang anzukündigen, zucken nicht nur die Filmfiguren zusammen und hängen ihm an den Lippen bis er seine Sicht der Dinge verlautbart hat - ganz große Leistung.

Abseits der offensichtlichen Sozialkritik kann der Film auch auf der Metaebene in weitere Richtungen verstanden werden, etwa als Mikrokosmos eines totalitären Regimes oder auch als Kritik an Kunst an sich, dem permanenten Willen, Kunst noch extremer als bisher in Szene zu setzen, was ebenso für die Kunstform des Films gilt.

Für mich schon ein Filmhighlight des Jahres.
Gelungener und unbehaglicher Hochspannungsthriller mit sensationell spielender Hauptfigur, als Filmgericht anserviert: Guten Appetit!
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GLASS ONION: A KNIVES OUT MYSTERY

#615 

Beitrag von MovieMan »

Milliardär Miles Bron (E. Norton) lädt seine Freunde auf eine einsame griechische Insel ein, um mit ihnen ein Wochenende zu verbringen. Zur Unterhaltung hat er noch ein lustiges Mörderrätselspiel eingeplant und stellt sich selbst als Leiche zur Verfügung. Es läuft so weit alles mehr oder weniger harmonisch ab, bis es die erste echte Leiche gibt.
Grund genug für den Detektiv Benoit Blanc (D. Craig), die Ermittlungen aufzunehmen.

Nach dem Überraschungserfolg KNIVES OUT jetzt der zweite Teil mit leicht verändertem Setting, statt Familiensitz nun Insel und statt Familie nun Freunde und Geschäftspartner.
Die Story ist im Gegensatz zum ersten Teil gradliniger und wartet dennoch mit Twist und Finten auf, sodass die Spannung bis zum Schluss gehalten bleibt und selbst nach der Auflösung bis zum Ende nicht nachlässt. Das Konzept geht erzählerisch auf, auch wenn eine seichte Logiklücke an einer Stelle bestehen bleibt. Das Miträtseln bringt Spaß und mit viel Hinsehen, könnte man sogar recht früh auf die Lösung kommen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Kritik an den Reichen und Schönen und deren Gehabe wird klar geäußert. Ewige Spitzen und Frotzeleien zwischen den Protagonisten lockern die Handlung auf, tragen mit ihren Andeutungen zum Spannungsbogen bei und sind höchst unterhaltsam. Und wie man sich vor Corona schützen kann, wird gleich mitvermittelt.

Der wieder durch zahlreiche Promis unterstützte Cast bis in die Nebenrollen (u.a. D. Bautista, K. Hahn, J. Monáe, K. Hudson, E. Hawke…) zeigt sich spielfreudig und auch D. Craig hat seine Freude über die neue Rolle sichtbar nicht verloren. Vor allem aber E. Norton zeigt in seiner Role seine schauspielerische Klasse, hoffentlich macht er sich nicht wieder so rar in nächster Zeit.

Würdiger Nachfolger des Erstfilms, leider nur für eine Woche im Kino (deswegen jetzt schnell sein) bevor er bei Netflix zum Streamen bereitsteht.
Locker, spaßig-spannendes Popcornkino. Ich freue mich auf Teil 3.
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STRANGE WORLD

#616 

Beitrag von MovieMan »

In Avalonia, einem Reich umgeben von unüberwindbaren hohen Bergen, lebt Familie Clade. Searcher Clade ist der Sohn des vor 25 Jahren verschollenen legendären Entdeckers Jaeger Clade. Searcher hat eine energiespendende Pflanze entdeckt und damit Avalonia in ein teilweise futuristisches Reich „verwandelt“. Doch die Pflanzen verlieren ihre Kraft. Der Grund dafür muss in dem Geflecht unterhalb der Erde liegen. So macht sich Searcher mit Getreuen auf in das Innere der Heimatwelt, um den Schaden zu beheben. Die zusammengewürfelte Truppe stößt dabei auf eine sagenhafte Welt, die nur Erstaunen verursacht. Die Problemlösung ist nicht einfach und zwischenmenschliche Beziehungsstreitigkeiten erschweren das Vorhaben erheblich. Gelingt es der Gruppe, die Pflanzen zu retten?

Animationskracher aus dem Hause Disney. Die Geschichte wartet mit mehreren Ebenen auf und ist somit für die ganze Familie konzipiert. Für die etwas Jüngeren ergibt sich eine Abenteuergeschichte und für die etwas Älteren geht es über das Abenteuer noch etwas heraus in Richtung Vater-Sohn-Beziehungen und einem Loslösen vom Elternhaus bis hin zu aktuellen Umweltthematiken, wobei am Ende dann eine Botschaft an Jedermann/-frau steht.

Die Figuren sind eigen und teils fast schrullig, dennoch disneytypisch liebenswert bis chaotisch. Den Hund werden sicherlich viele lieben und einen „Platsch“ will nach dem Film auch jeder haben. Trotz ernster Hintergrundthematik wird das Geschehen mit kindgerechten und teils lustigen Handlungen immer wieder aufgelockert, was dem Film und der Geschichte eine gute Balance beschert.
Von der zunächst INDIANA JONES mäßigen Assoziation sollte man sich inhaltlich aber nicht täuschen lassen.

Die Kreativabteilung hat mit der Schaffung unterschiedlicher Wesen ganze Arbeit geleistet und detailreich diese in Szene gesetzt. Auch als Zuschauer freut man sich auf die nächsten Entdeckungen dieser sonderbaren Welt. Selbst vor der Darstellung der „Monster“ muss sich kein Kleinkind megamäßig fürchten, die optische Bedrohung hält sich in Grenzen.

Technisch ist der Film quietschbunt gehalten und die Animation ist gut gelungen. Hervorragend wird die Kleidung dargestellt. In Großaufnahme lässt sich die Struktur klar erkennen, was bei dem vielen Plüsch, welches dargestellt wird, schon ein enormer Programmieraufwand gewesen sein dürfte.
Der Sound kommt (Skywalker Sound) für einen Animationsfilm dynamisch daher und geht auch mal ordentlich situationsangemessen in den Bassbereich hinein.

Disneytypische Familienanimation mit Message – schon aufgrund der Optik unbedingt im Kino schauen.
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MAD HEIDI

#617 

Beitrag von MovieMan »

Das Schweizer Mädel Heidi ist zwischenzeitlich erwachsen und macht mit Geißenpeter rum. Dieser ist mit seiner illegalen Milchproduktproduktion dem schweizer Diktator und Käseproduzenten Meili (C. van Dien - ja, wirklich!) ein Dorn im Auge. Dieser führt die Schweiz wie einst die Nazis Deutschland. Im Zuge der Jagd auf Geißenpeter gerät auch Heidi ins Visier des Despoten und wird verhaftet. Während des Gefängnisaufenthaltes beschließt sie, hart und erbarmungslos zurück zu schlagen.

Mit Johanna Spyris romatischer Idylle hat dieser Film bis auf die Namensgleichheit der Figuren kaum etwas zu tun. Im besten Grindhousestil nach Tarantino Art wird hier brachial gegen jede Unordnung und Aufsässigkeit im Staat vorgegangen. Die Konstruktion dieser aberwitzigen und teils abstrusen Geschichte erinnert nicht rein zufällig an Filme wie IRON SYK und DEAD SNOW. Bei MAD HEIDI wurden die Produktionskosten aus einem Crowdfounding zusammengekratzt. Es fließt Blut, es fliegen Körperteile und von political Correctness fehlt jegliche Spur. Gut, dass sich der Film zu keiner Sekunde auch nur annähernd ernst nimmt. Als weiterer Vergleich kann PLANET TERROR von R. Rodriguez herangezogen werden und schon weiß man, wo der Hase hinhoppelt.
Der Trashfaktor ist auf Höchstlevel. Das mindert den Spaß in keinster Weise.
Alle Schauspieler, inclusive C. van Dien, haben sichtlich Spaß an ihren Rollen, die Dialoge sind schräg bis dämlich und die Figuren ebenfalls. Aus den Kinderbuchfiguren sind nur die Namen übriggeblieben, denn man hat jeder Figur ihren ganz eigenen neuen Charakter verpasst, der so gar nichts mehr mit der Buchfigur gemein hat.
Zeitweilig kann man dem Film vorwerfen, dass ihm die Gagdichte schon nach einer halben Stunde abnimmt, doch das furiose Finale lohnt dann wieder.
Die Qualität eines IRON SKY sowie PLANET TERROR wird nicht erreicht, doch man erreicht genug. Ganz offensichtlich zeigt sich, dass sich die Filmemacher mit viel Liebe zum Film und lustigen Einfällen dem Werk gewidmet haben, sodass hier der erste Swissploitation-Film entstanden ist.
Und mutig kündigt man am Ende noch einen weiteren Teil an. Mal sehen, ob dieser jemals das Licht der Leinwandwelt erblickt.
Technisch sind gute handgemachte Splattereffekte zu bestaunen, ebenso aber auch deutlich sichtbare Trickaufnahmen, vor allem in der Hintergrundgestaltung.

MAD HEIDI - der Film, der dich sehen will......im Kino!
(Leider nur tageweise als Event)
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ZEITEN DES UMBRUCHS

#618 

Beitrag von MovieMan »

Anfang der 80er Jahre am Beginn der Reagan Ära lebt der jüdische und aus gutem Mittelstand stammende Sechstklässler Paul in New York und kommt auf eine neue Schule, wo er sich mit dem unter ärmlichen Verhältnissen farbigen Jonathan anfreundet. In seiner Familie fühlt sich Paul missverstanden und vernachlässigt und leidet unter der strengen Führung seines Vaters. Seine einzige Stütze ist der Großvater, von dem er sich verstanden fühlt. Zu allem Überfluss muss Paul auch noch die Schule wechseln und findet sich in einem Umfeld wieder, welches seine Gefühlslage noch unerträglicher macht.

Oberflächlich wird ein Gesellschaftsdrama dargeboten, welches sacht beginnt und sich dann langsam dramatisch steigert. Auf den zweiten Blick beinhaltet dieses Drama viel mehrschichtige Thematiken wie Rassentrennung, Gesellschaftskritik, Kritik am Finanzsystem und dem Establishment, die Unzulänglichkeit des Schulsystems sowie dem sozialen Umgang untereinander.
Das wirft unweigerlich Fragen auf: Wie wollen wir miteinander umgehen? Soll das System modifiziert bzw. nachgebessert werden? Und und und…
Außerdem bietet der Film eine Bestandsaufnahme der frühen 80er Jahre zu diesen Fragen, was wiederum zu neuen Fragen führt: Welche Entwicklung hat die Gesellschaft eigentlich in den letzten 40 Jahren genommen und wo steht sie heute? Sind wir im positiven Sinne weitergekommen?
Dazu dürfte jeder seine eigenen Ansichten und Antworten haben. Ich denke, wer ehrlich ist, wird erkennen, dass die Gesellschaft nur einen kleinen Schritt vorwärts gekommen ist und gerade in einzelnen Regionen wieder einen Schritt zurück macht; etwas ernüchternd.
Auf jeden Fall kann der Film länger nachwirken, wenn man denn will und sich der o.g. Thematiken annimmt. Gerade zur Adventszeit kein inhaltlich leichter Stoff.

Obwohl der Film mit bekannten Hollywoodstars wie A. Hopkins (wunderbar als Großvater), A. Hathaway (als Mutter), J. Strong (als Vater) sowie J. Chastain (als Mitglied der Trumpfamilie) aufwartet, ist B. Repeta in der Rolle des Paul der eigentliche Star des Films. Und er macht seine Sache überaus gut. Grandios gelungen sind die Szenen, in denen er innere Kämpfe mit sich und den Erwartungen der anderen ausficht. Sein Schauspiel sowie die Art der Inszenierung in diesen Augenblicken sind grandios gelungen. Es bedarf gar nicht vieler Worte, das fast ängstliche Gesicht, welches gefühlte Stunden von der Kamera eingefangen wird – fast, bis es auch dem Zuschauenden unangenehm wird, erzählt bereits die Geschichte dieses inneren Kampfes und der drohenden Zerrissenheit. Besser und authentischer kann man das m. E. auch gar nicht darstellen, superbe Leistung.

Nahezu minimalistisch verfilmtes Gesellschaftsdrama, dass in seiner Nachwirkung nicht größer sein könnte.
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VIOLENT NIGHT

#619 

Beitrag von MovieMan »

Santa Claus (D. Harbour) ist aufgrund des Wandels in der Gesellschaft desillusioniert und hebt gern mal einen zu viel, um sein Schicksal erträglich zu gestalten. Es werden auch nur noch artige Kinder beschenkt. Am Heiligabend trifft sich unterdessen die reiche Familie Lightstone auf dem Anwesen der Familienpatriarchin, um um deren Gunst zu buhlen. Bevor sich die Familie so richtig in die Haare kriegen kann, wird der Landsitz vom selbsternannten Scrooge (J. Leguizamo) samt seinen Söldnern gestürmt, um die Familie um deren Geld zu bringen. Zu dieser Zeit befindet sich Santa im Haus und fängt an, unterstützt von der kleinen (artigen) Trudy, unter den Bösewichtern so richtig aufzuräumen.

DIE HARD meets KEVIN ALLEIN ZU HAUS als schwarzhumorige, ultrafiese und blutige Actionausgabe mit einem wunderbar grantelnden und hadernden D. Harbour als (Bad) Santa.
Wirkungsvoll und teils sehr kreativ wird das vom Regisseur Tommy Wirkola (u.a. DEAD SNOW) in Szene gesetzt. Die FSK16 werden komplett ausgereizt. So habe ich noch keinen Weihnachtsmann „agieren“ sehen, da kann selbst THOR noch was dazulernen. Dennoch hat das Drehbuch Hänger und es läuft auch nicht alles logisch ab. Eine Kürzung auf 90 Minuten Spielzeit hätte den zwischenzeitlichen Leerlauf vermeiden können. Doch wenn sich Santa zu rockiger Weihnachtsmusik durch die bösen Buben (und Mädchen) pflügt kann man als Zuschauer das Mitwippen im Musiktakt kaum vermeiden und das Lachen (trotz des Gewaltlevels) auch nicht. Super auch die Szenensequenz die als deutliche Referenz an KEVIN ALLEIN ZU HAUS gedreht wurde, nur eben nicht FSK12.
Der Film wartet dann auch ganz am Ende mit einem Weihnachtskreativkill auf, den man wirklich gesehen haben muss.

D. Harbour ist mit seinem mürrisch-komischen Spiel eine Offenbarung für den Film. In dieser Rolle gefällt er mir noch besser als in STRANGER THINGS oder BLACK WIDOW.

Storytechnisch werden Andeutungen über die Herkunft von Santa Claus sowie über seine Frau gemacht. Ob das der Grundstein zu einem zweiten Teil (Prequel/Sequel) sein soll, kann man nur erahnen. Wenn nicht, waren die Szenen m. E. schlicht überflüssig.

Furious derber Xmas-Actioner mit einem rauflustigen Santa und einer rockigen Musikuntermalung.
Mich hat der Film in super Stimmung versetzt.
Wie Santa im Film dann auch mehrmals betont: Ist wohl so ein Weihnachtswunder, erklären kann ich das jedenfalls nicht.
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